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Unter Korruptionsverdacht : Früherer König Juan Carlos verlässt Spanien

Juan Carlos hat 2014 nach 39 Jahren auf dem Thron zugunsten seines Sohnes Felipe abgedankt. Bild: AFP

In einem Brief teilt der ehemalige spanische Monarch seinem Sohn mit, dass er das Land verlassen will. Juan Carlos ist in einen Finanzskandal verstrickt. Mit dem Schritt erspart er Felipe VI. eine schwere Entscheidung.

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          Juan Carlos erspart seinem Sohn Felipe eine schwere Entscheidung. Der emeritierte König teilte am Montagabend in einem knappen Brief mit, er werde Spanien verlassen. Die Korruptionsvorwürfe gegen ihn hatten in den vergangenen Wochen den politischen Druck auf Felipe erhöht, seinem Vater Residenz und Königstitel zu entziehen, um die spanische Monarchie vor weiterem Schaden zu bewahren. Fast täglich waren neue Einzelheiten über Juan Carlos bekannt geworden, der seine Stellung als Monarch ausgenutzt haben soll, um sich zu bereichern. Es geht um Bestechung und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Mit den Worten „Eure Majestät, lieber Felipe“ beginnt das vom Königshaus am Abend veröffentlichte Schreiben: „Mit dem gleichen Eifer, Spanien zu dienen, der meine Herrschaft inspiriert hat, und angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die bestimmte Ereignisse der Vergangenheit auf mein Privatleben haben, möchte ich Ihnen gegenüber meine uneingeschränkte Bereitschaft zum Ausdruck bringen, zur Erleichterung der Ausübung Ihrer Funktionen beizutragen“ schreibt Juan Carlos.

          Ein Geschenk von 65 Millionen Euro

          Er spielt damit unter anderem auf die Ankündigung des Obersten Gerichtshofs in Madrid an, gegen ihn wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Medina nach Mekka durch ein spanisches Firmenkonsortium zu ermitteln. Nach Erkenntnissen der Schweizer Staatsanwaltschaft soll der saudische König Abdullah 2008 auf das Genfer Konto einer Stiftung des Königs 100 Millionen Dollar überwiesen haben. Die Summe blieb offenbar nicht lange auf dem Konto. Im Zuge des Schweizer Ermittlungsverfahrens hatte der Anwalt der deutschen Geschäftsfrau Corinna zu Sayn-Wittgenstein bestätigt, dass sie im Jahr 2012 ein „unaufgefordertes Geschenk“ von Juan Carlos erhalten habe, das von eben diesem Genfer Konto überwiesen wurde. Der damals noch amtierende Monarch habe sich dafür erkenntlich zeigen wollen, dass die Deutsche, die er einst als seine „innige Freundin“ bezeichnete, ihm in gesundheitlich schwierigen Zeiten beigestanden habe. In Presseberichten wird eine Summe von 65 Millionen Euro genannt. Die spanischen Ermittlungen betreffen jedoch nur die Zeit nach 2014, als Juan Carlos auf den Thron verzichtet hatte und damit seine strafrechtliche Immunität verlor.

          In Madrid mehrten sich die Forderungen von Regierungspolitikern, König Felipe solle sich noch eindeutiger von seinem Vater distanzieren, der sich vor einem Jahr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Selbst Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich in diesem Sinn. Im März hatte Felipe schon angekündigt, auf sein Erbe zu verzichten. Zudem entzog er seinem Vater die jährliche Apanage in Höhe von knapp 200.000 Euro. Felipes Lage wurde immer schwieriger, denn viele Spanier verehren Juan Carlos wegen seiner wichtigen Rolle beim Aufbau der Demokratie nach den Jahren der Franco-Diktatur.

          Nun kam ihm sein Vater zuvor und verlässt nach 58 Jahren nicht nur den Zarzuela-Palast, sondern auch das Land, dessen König er bis zu seinem Thronverzicht im Jahr 2014 war. Während seiner langen Jahre als König, „wollte ich immer nur das Beste für Spanien und für die Krone“, betont Juan Carlos in seinem Abschiedsbrief. In einem Kommuniqué des Königshauses drückte Felipe gegenüber seinem Vater am Montagabend den „aufrichtigen Respekt und Dankbarkeit für seine Entscheidung“ aus. Er würdigte die „historische Bedeutung“ dessen Herrschaft und bekräftigte die Prinzipien und Werte der spanischen Demokratie, um die sich Juan Carlos verdient gemacht habe.

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