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Korruptionsermittlungen angeblich beeinflusst : Schwere Vorwürfe gegen Blair

  • Aktualisiert am

Geheime Dokumente: Blair soll Ermittlungen verhindert haben Bild: AP

Dem ehemaligen britischen Premier Tony Blair wird vorgeworfen, Korruptionsermittlungen gegen das Rüstungsunternehmen BAE beeinflusst zu haben. Er habe, so eine Londoner Zeitung, ein millionenschweres Waffengeschäft mit der saudi-arabischen Königsfamilie nicht gefährden wollen.

          Der frühere britische Premierminister Tony Blair hat offenbar als Regierungschef versucht, aus Rücksicht auf die saudi-arabische Königsfamilie Korruptionsermittlungen gegen das britische Rüstungsunternehmen BAE zu stoppen. Das berichtete die Londoner Zeitung „The Guardian“ am Samstag und druckte 30 Seiten Aktennotizen und Briefe ab, die Blair und seine Mitarbeiter an Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith schickten. Schließlich wurde das Verfahren gegen BAE eingestellt.

          Blair schrieb in den Vermerken und Briefen, er sei darüber besorgt, dass die Ermittlungen auch die saudi-arabische Königsfamilie erreichten und diese dann verärgert ein Waffengeschäft über die Lieferung von 72 Eurofighter Typhoon-Kampfjets von BAE absagen könnte. Dabei ging es um einen Lieferwert von 4,43 Milliarden Pfund (6,4 Milliarden Euro). Das Geschäft wurde im Endeffekt abgeschlossen.

          Schwarze Kassen in Millionenhöhe

          Damals führte das Betrugsdezernat Ermittlungen über eine „schwarze Kasse“ aus einem Geschäft mit Saudi-Arabien über die Lieferung von Tornado-Kampfflugzeugen in den 80er Jahren. Diese soll sich auf 60 Millionen Pfund belaufen haben. BAE und der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats Saudi-Arabiens, Prinz Bandar bin Sultan, haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

          Goldsmith versuchte den Unterlagen zufolge zwei Mal, den Druck Blairs abzuwehren. „Ich kann die Kraft Ihrer Argumente sehen“, erklärte er. Die Einstellung der Ermittlungen könnten die Glaubwürdigkeit des Rechts herabsetzen und den Eindruck erwecken, man gebe Druck nach. Blair antwortete, es gehe um „höhere Überlegungen“.

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