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Korruption in Brasilien : Schmutzige Operation „Autowäsche“

Seite an Seite: Moro und Bolsonaro Bild: Reuters

Der größte Korruptionsskandal in Brasiliens Geschichte nimmt eine neue Wendung – war die Anklage gegen Lula da Silva ein abgekartetes Spiel?

          3 Min.

          Als Brasilien brodelte und die Bevölkerung ihren Unmut über die Korruption und die politische Klasse von 2015 an auf die Straßen trug, streiften sich zahlreiche Demonstranten T-Shirts über, auf denen der Richter Sérgio Moro im Dress von Superman abgebildet war. Moro war das Gesicht der Operation „Lava Jato“ (Autowäsche). Angefangen bei einem dünnen Faden, zogen die Ermittler über die Jahre ein ganzes Knäuel von Korruptionsaffären ans Tageslicht. Brasiliens Machtelite in Politik und Wirtschaft begann zu wanken und zu fallen. Moro brachte Dutzende hinter Gitter. Endlich, dachten viele Brasilianer.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Dann erreichte die Operation „Lava Jato“ einen Politiker, der immer als unantastbar gegolten hatte: den früheren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, von einem Baukonzern eine Strandwohnung für politische Gefälligkeiten angenommen zu haben. Dokumente, die das nachweisen, gab es nicht, allerdings eine ganze Reihe von Indizien und Zeugenaussagen. Aufgrund dieser Indizien wurde Lula da Silva im Juli 2017 von Moro – und anschließend im Januar 2018 in zweiter Instanz – zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die er im Hauptquartier der Bundespolizei in der südbrasilianischen Stadt Curitiba absitzt, wo die Fäden der Operation „Lava Jato“ zusammenlaufen. Der Prozess gegen Lula ging überaus rasch vonstatten. Und die Verurteilung erfolgte wenige Monate vor der brasilianischen Präsidentenwahl, zu der Lula da Silva als klarer Favorit angetreten wäre.

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