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Koreanische Annäherung : Ein Staatsbegräbnis lässt auf neuen „Sonnenschein“ hoffen

  • -Aktualisiert am

Abschied von Kim Dae-jung: Die Witwe Lee Hee-ho (Dritte v. l.) und Präsident Lee Myung-bak (2. v. r.) Bild: AP

Das Staatsbegräbnis für Kim Dae-jung hat in Seoul einen Neubeginn des innerkoreanischen Dialogs eingeleitet. Eine Delegation aus Pjöngjang hat dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak eine Botschaft von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il überbracht.

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          Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren sind wieder nord- und südkoreanische Politiker zusammengetroffen. Eine ranghohe Delegation aus Nordkorea wurde am Sonntag in Seoul vom südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak zu einem Gespräch empfangen. Die nordkoreanische Delegation war zum Begräbnis des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung nach Seoul gekommen. An dem Staatsbegräbnis in Seoul nahmen am Sonntag Trauergäste aus aller Welt und mehr als 20.000 Bürger Südkoreas teil.

          Die sechs Gesandten aus Nordkorea, unter ihnen der einflussreiche Sekretär des Zentralkomitees der Arbeiterpartei, Kim Ki-nam, überbrachten eine Nachricht des nordkoreanischen Staatsführers Kim Jong-il an den südkoreanischen Präsidenten. Darin habe Kim Jong-il seine Gedanken über Fortschritte in den innerkoreanischen Beziehungen dargelegt, sagte ein Sprecher von Präsident Lee Myung-bak in Seoul. Der genaue Inhalt wurde nicht bekanntgegeben. Das Treffen dauerte eine halbe Stunde. Das Gespräch sei herzlich gewesen, sagte der Sprecher. Es sei alles gut verlaufen, versicherte auch der Sprecher der nordkoreanischen Delegation, Kim Ki-nam. Kim Ki-nam gilt als enger Vertrauter von Staatsführer Kim Jong-il und begleitet ihn bei den meisten seiner öffentlichen Auftritte.

          Bereits am Samstag war die nordkoreanische Delegation mit dem südkoreanischen Minister für Wiedervereinigung, Hyun In-taek, zusammengetroffen. Die nordkoreanische Delegation war am Freitag nach Seoul gekommen und hatte einen Kranz mit dem Namen Kim Jong-ils an der Gedenkstätte für Kim Dae-jung niedergelegt. Danach hatten die Gesandten aus dem Norden um Gespräche mit Regierungsmitgliedern gebeten. Man sei bereit, mit allen über alles zu sprechen, sagte Kim Ki-nam.

          Staatsakt in Seoul
          Staatsakt in Seoul : Bild: AFP

          Nach seinen Begegnungen mit Südkoreanern habe er den Eindruck gewonnen, dass die innerkoreanischen Beziehungen so bald wie möglich verbessert werden sollten, sagte Delegationsmitglied Kim Yang-on, der in der nordkoreanischen Regierung für die Beziehungen zu Südkorea zuständig ist. Er hoffe, dass diese ersten Gespräche in der Amtszeit von Lee Myung-bak eine Gelegenheit für offene Kontakte bringen würden.

          Lee Myung-bak korrigiert seinen Kurs gegenüber dem Norden

          Der Besuch der Nordkoreaner in Seoul und ihr Empfang durch Präsident Lee Myung-bak zeigt eine klare Richtungsänderung in der Politik sowohl des Nordens als auch des Südens. Nordkorea hatte Lee Myung-bak seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr beschimpft und ihn als Verräter bezeichnet, weil er von der Entspannungspolitik seiner Amtsvorgänger abrückte. Lee Myung-bak hatte seinerseits jede Verbesserung im Verhältnis zu Nordkorea von Fortschritten in der Atomfrage abhängig gemacht. Ein Sprecher des Präsidenten versicherte nach dem Gespräch, dass sich an der Politik gegenüber Nordkorea nichts ändern werde.

          Gleichwohl ist das Zusammentreffen ein weiteres Zeichen dafür, dass auch Lee Myung-bak seine Politik gegenüber dem Norden korrigiert. Bereits vor einer Woche hatte er angedeutet, dass Südkorea wieder zu Hilfsleistungen für den Norden bereit sein könnte. Vor zwei Wochen war die Vorsitzende des südkoreanischen Hyundai-Konzerns nach Nordkorea gereist. Während ihres Besuches waren eine Wiederaufnahme des Tourismus nach Nordkorea und neue Familienzusammenführungen vereinbart worden. Nordkorea hat auch Beschränkungen des Grenzverkehrs aufgehoben. Obwohl diese Vereinbarungen keine Regierungsvereinbarungen waren, nimmt man an, dass sie mit der Regierung in Seoul abgesprochen waren und diese sie jetzt billigen wird.

          Kim Dae-jung, der frühere Präsident Südkoreas und Friedensnobelpreisträger, war am 18. August im Alter von 83 Jahren gestorben. Er hatte sich besonders für eine Aussöhnung zwischen Nord- und Südkorea eingesetzt und war als erster südkoreanischer Präsident zu einem Gipfeltreffen mit Kim Jong-il nach Pjöngjang gereist. In Nordkorea wird er für diese Bemühungen hochgeschätzt. Es war das erste Mal, dass Nordkorea eine Delegation zu einer Trauerfeier für einen südkoreanischen Politiker geschickt hat.

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