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Korea-Konflikt : Weitere Provokationen sind wahrscheinlich

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Südkorea hat am Montag mit einem Seemanöver vor der Küste der Halbinsel begonnen. Nordkorea kann sich dennoch sicher fühlen, weil es weiß, dass Seoul keinen Krieg riskieren möchte. Dass Hilfeleistungen ausbleiben, wird den kommunistischen Staat treffen, aber nicht schmerzhaft.

          Zwölf Tage nach dem Beschuss der Insel Yeonpyeong durch Nordkorea herrscht weiter Ratlosigkeit, wie man mit dem Regime in Pjöngjang umgehen soll. Südkorea gibt sich derzeit kriegerisch. Der neue Verteidigungsminister, ein ehemaliger General, spricht von Vergeltung und harten Maßnahmen. Der südkoreanische Präsident hat die erst kürzlich wiederaufgenommenen Hilfslieferungen an Nordkorea abgebrochen. Seoul will aufrüsten und seine westlichen Inseln besser schützen.

          Ob all dies Nordkorea in irgendeiner Weise beeindruckt, ist allerdings fraglich. Nordkorea hat keine Angst vor der südkoreanischen Militärmacht, weil es weiß, dass Seoul keinen Krieg riskieren möchte. Dass Hilfeleistungen ausbleiben, wird Nordkorea treffen, aber nicht schmerzhaft. Das Land hat schon lange die harten Sanktionen überlebt. Wenn Südkorea als Unterstützer wegfällt, das hat sich schon in den vergangenen Jahren gezeigt, dann kommt für das Wichtigste immer noch China auf. Selbst wenn die Bevölkerung darbt, wird doch immer genug für das Militär und die Rüstungsindustrie da sein.

          Fehlender Einfluß

          Nach dem Beschuss der Insel Yeonypeong war es die erste Reaktion Amerikas und seiner Verbündeten, China aufzufordern, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen und das aggressive Regime zur Mäßigung zu zwingen. Das wirkte etwas hilflos, denn mittlerweile sollte man wissen, dass Peking lange nicht so viel Einfluss auf die Führungsclique in Pjöngjang hat, wie immer angenommen wird. Die Vereinigten Staaten sollten ihre Nordkorea-Diplomatie nicht China überlassen, sagte der amerikanische Korea-Forscher Peter Beck in Tokio. China handele nicht im Interesse der Vereinigten Staaten.

          Die Grenzen zwischen Nord- und Südkorea werden streng bewacht

          Der chinesische Vorschlag, Krisengespräche im Rahmen der Sechsergruppe abzuhalten, die auch über Nordkoreas Atomprogramm gesprochen hat, ist ohnehin nicht auf Begeisterung gestoßen. Südkorea, Japan, die Vereinigten Staaten und Russland sind skeptisch. Der Vorschlag der chinesischen Regierung ist aber der einzige, der bislang auf dem Tisch liegt. Derweil nehmen die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel ständig zu.

          Fehlende Reaktionen

          Nordkorea hat angekündigt, dass es ein Programm zur Urananreicherung betreibt, das nach Meinung von westlichen Beobachtern jedes Jahr genug Plutonium für zwei Atombomben produzieren kann. Man hat die Anlage sogar einem amerikanischen Atomwissenschaftler vorgeführt. Die internationalen Reaktionen darauf ließen keine Dramatik erkennen.

          Nordkorea-Beobachter in Japan glauben, dass das Land bald zu neuen Provokationen greifen wird. Wenn Nordkoreas kleine Militärschläge und die Erklärung zur Urananreicherung dazu dienen, die Vereinigten Staaten auf sich aufmerksam zu machen und die Regierung von ihrer Politik der Missachtung Pjöngjangs abzubringen, dann wird Pjöngjang sich bald wieder zu Wort melden. Denn die amerikanische Regierung hat noch nicht so reagiert, wie Machthaber Kim Jong-il sich das erhofft hatte.

          Keine Gespräche

          Allerdings scheint sich das Regime in Pjöngjang nicht darüber im Klaren zu sein, dass seine Provokationen international zwar genügend Aufmerksamkeit erregen, aber die Wahrscheinlichkeit von Gesprächen eher senkt. Bereits im März waren mit der Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan erste Anläufe zu neuen Verhandlungen im Sechserrahmen zunichtegemacht worden. Nun ist wiederum die Empörung über Nordkoreas Angriff auf die kleine Insel, bei dem vier Menschen ums Leben kamen, groß. Die Vereinigten Staaten wollen Nordkorea nicht mit Gesprächen für unverantwortliches und menschenverachtendes Verhalten "belohnen".

          Für den Umgang mit dem Regime in Pjöngjang gibt es keine guten Optionen. Weder die Entspannungspolitik der früheren südkoreanischen Präsidenten noch die harte Politik der Regierung Lee Myung-bak, weder die amerikanische "Achse des Bösen" noch die amerikanische "strategische Geduld" haben kurzfristig die erwünschten Ergebnisse gebracht. Weder hat sich das Land geöffnet, noch ist es auf inneren und äußeren Druck hin kollabiert. Wenn jetzt auch noch die Nachfolge Kim Jong-ils reibungslos eingeleitet wird, so besteht durchaus die Chance, dass Nordkorea zwar schlecht, aber weiter überleben wird. Die Sechsergespräche sind tot, sagt Kang Choi vom südkoreanischen Institut für Nationale Sicherheit in Seoul. Niemand glaube mehr daran, dass die Nordkoreaner ihr Atomprogramm wirklich aufgeben wollen. Doch müsste jetzt ein neues Format für Gespräche gefunden werden, damit die Kontakte nicht gänzlich abreißen.

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