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Korea-Konflikt : Strategische Ressource oder Bürde?

Die Welt schaut auf China und die Reaktion von Premierminister Wen Jiabao Bild: dpa

China steckt in einem Dilemma. Pekings Regierung wünscht sich weder eine weitere Eskalation der Lage noch eine nukleare Aufrüstung Nordkoreas. Doch gleichzeitig hat sie ein Interesse an einem stabilen Regime in Pjöngjang.

          Im Korea-Konflikt schaut die Welt nach China. Doch die Regierung in Peking steckt in einem Dilemma. Sie wünscht weder eine weitere Eskalation der Lage noch eine nukleare Aufrüstung Nordkoreas. Gleichzeitig hat sie ein Interesse an einem stabilen Regime in Pjöngjang. Seit einigen Jahren schon gibt es deshalb eine Diskussion unter den chinesischen Fachleuten und in der Presse über den richtigen Umgang mit dem Regime. Diese akademische Debatte ist vermutlich ein Spiegelbild von Erwägungen, die auch in der politischen Führung über die Beziehungen zu Nordkorea gemacht werden. Doch davon dringt so gut wie nichts nach außen. Bisher hat sich China offiziell lediglich „besorgt“ über die Lage gezeigt und alle Seiten zur Zurückhaltung ermahnt. Verärgert reagierten Peking und die chinesischen Kommentatoren dafür auf das bevorstehende Militärmanöver Südkoreas und der Vereinigten Staaten.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Unter Fachleuten gebe es vornehmlich zwei Sichtweisen, sagte Yu Yingli vom Schanghaier Institut für Internationale Studien der F.A.Z. Die eine Gruppe sehe den Nachbarn als „strategische Ressource“, die andere als „strategische Bürde“. Während also einige Akademiker dafür sind, den kleineren Bündnispartner möglichst gewogen zu halten, um den Einfluss nicht zu verlieren, sprechen sich andere für eine härtere Gangart Chinas gegenüber Nordkorea aus. Sie sind der Meinung, dass China als „verantwortliche Großmacht“ handeln müsse. Einige plädierten sogar für eine Beendigung der Lebensmittel- und Energielieferungen an Nordkorea sowie eine härtere Haltung gegenüber dem Kim-Regime in den Sechsparteiengesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm. Die jeweiligen Positionen finden sich auch immer wieder in unterschiedlichen Presseberichten wieder.

          Eine vorsichtige Reaktion

          Besonders intensiv wird die Diskussion über den Umgang mit Nordkorea seit dem ersten nordkoreanischen Atomtest im Jahr 2006 geführt. Seit dieser Zeit hat China eine wachsende Ungeduld mit dem einstigen stalinistischen Bruderland gezeigt. Auch nach dem jüngsten Schusswechsel zwischen Nord- und Südkorea gibt es unterschiedliche Stimmen.

          So plädiert die Korea-Expertin Yu Shaohua, die für einen mit dem Außenministerium verbundenen Thinktank arbeitet, für eine vorsichtige Reaktion Chinas. Es müssten zunächst die Fakten geprüft werden. Die derzeitige Lage zeige, dass der militärische Druck Südkoreas und Amerikas fruchtlos geblieben sei. Yu Yingli vom Schanghai-Institut für Internationale Studien findet dagegen relativ deutliche Worte für den unberechenbaren Nachbarn: „Persönlich denke ich, dass Nordkorea die Hauptverantwortung für die jüngsten Konfrontationen übernehmen sollte.“ Doch ist auch sie für eine Erhaltung des Status quo in Pjöngjang bei gleichzeitiger Herbeiführung einer wirtschaftlichen Öffnung Nordkoreas.

          Professor Zhang Liangui von der Zentralen Parteihochschule in Peking, der dafür bekannt ist, eine härtere Linie Chinas zu befürworten, spricht sich auch gegen eine Verteidigung des nordkoreanischen Vorgehens aus. Das bringe keine guten Ergebnisse, wie sich im Verlauf des Konflikts um die Versenkung der südkoreanischen Korvette „Cheonan“ im März dieses Jahres durch einen nordkoreanischen Torpedo gezeigt habe. Denn dieser Konflikt hat wohl zur derzeitigen Eskalation beigetragen. „China sollte einen neutralen Standpunkt einnehmen“, mahnt deshalb der Professor. Auch in den chinesischen Zeitungen wird derzeit nicht nur Kritik das Verhalten Südkoreas und der Vereinigten Staaten in dem Konflikt kritisiert, sondern auch Pjöngjang. Doch scheinen die Befürworter der „harten Linie“ derzeit eher auf dem Rückzug. „Die meisten von ihnen wollen ihre Meinungen derzeit nicht veröffentlichen“, sagt Yu Yingli. Denn die Führung in Peking hält weiter zu Kim Jong-il und seinem Regime. So ist es trotz interner Diskussionen und wachsender Frustrationen mit dem Nachbar-Regime fraglich, ob Peking von dieser Haltung bald deutlich sichtbar abrücken wird.

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