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Korea-Konflikt : Rätselhaftes Pjöngjang

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Angesichts des gemeinsamen Militärmanövers Südkoreas und der Vereinigten Staaten im Gelben Meer droht Pjöngjang für den Fall eines Eindringens in seine Hoheitsgewässer abermals mit einem „militärischen Gegenangriff ohne Gnade“. Doch auch das scheint in Seoul niemanden zu erschüttern.

          Es sieht aus wie Krieg, aber niemand hat Angst. Nordkorea schießt Feuerbomben, tötet vier Menschen, und in Südkorea geht das Leben weiter. Auf die Bilder der Verwüstung von der kleinen Fischerinsel Yeongpyeong haben die Südkoreaner mit Empörung, aber ohne Panik reagiert.

          Angesichts eines gemeinsamen Militärmanövers Südkoreas und der Vereinigten Staaten im Gelben Meer, das an diesem Sonntag begonnen hat, droht Pjöngjang für den Fall eines Eindringens in seine Hoheitsgewässer abermals mit einem „militärischen Gegenangriff ohne Gnade“, wie es in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung heißt. (Siehe auch: Grenzkonflikt: Nordkorea droht mit „Gegenangriff ohne Gnade“)

          Doch auch das scheint in Seoul niemanden zu erschüttern. Drohungen aus Nordkorea und Zwischenfälle, auch militärische, habe es auch schon häufiger gegeben, heißt es in diesen Tagen in der südkoreanischen Hauptstadt. Man sei martialische Töne aus Pjöngjang gewohnt. Aber könnte es diesmal anders sein? Bedeutet nicht die Attacke auf die bewohnte Insel, dass Nordkorea eine Schwelle überschritten hat, vor der es bislang zurückschreckte?

          Der amerikanische Flugzeugträger „USS George Washington”

          Demonstrativ lief der amerikanische Flugzeugträger „George Washington“ mit Begleitzug in südkoreanischen Gewässern zum Manöver auf. Wird Nordkorea seine Drohungen von gnadenlosen Schlägen gegen „schießwütige Provokateure“ wahrmachen? Die meisten in Seoul wollen das nicht glauben. Zwar war man nach dem Beschuss der Fischerinsel etwas schockiert, denn erschreckend waren die Bilder der Insel und die Berichte der verstörten Einwohner, die erzählten, wie die nordkoreanischen Geschosse über ihre Köpfe flogen. Zwei Soldaten und zwei Zivilisten wurden getötet, Häuser zerstört, ein Wald brannte. Aber vor einem Krieg in Korea scheint sich derzeit das Ausland eher zu fürchten als die Bewohner von Seoul, die nur 30 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt leben.

          „Pjöngjang fühlte sich provoziert“

          „Können wir wenigstens einmal auch den nordkoreanischen Standpunkt betrachten?“, fragt Herr Kim aus Seoul. „Nordkorea weiß doch, dass es uns militärisch unterlegen ist und es hat derzeit keinen Grund uns zu provozieren.“ Man sollte berücksichtigen: Südkorea hat eine militärische Übung vor der Insel abgehalten, gegen die Nordkorea noch am Morgen desselben Tages protestiert hatte. Die Insel liegt nur vier Kilometer von der Seegrenze entfernt. Nordkorea reagiert überaus empfindlich auf Manöver, besonders wenn sie in Grenznähe stattfinden. „Pjöngjang fühlte sich provoziert“, sagt Herr Kim. Als südkoreanische Geschosse nahe der Seegrenze flogen, hat Nordkorea zurückgeschossen.

          Herr Kim ist Regierungsbeamter, will aber nicht, dass sein voller Name genannt wird. Auch nur ein wenig die nordkoreanische Haltung verstehen zu wollen, wird im Regierungsapparat nicht gut aufgenommen, sagt er, das könnte Probleme für ihn geben. Tatsächlich reagiert das offizielle Seoul noch immer allergisch auf Äußerungen, die als „Pro-Nordkorea“ bezeichnet werden. Im Parlament von Seoul wurde ein Abgeordneter als „Kommunist“ niedergeschrieben, der auf eine mögliche Motivation Nordkoreas hinweisen wollte. Die südkoreanische Polizei hat zwanzig Personen festgenommen, die „falsche Gerüchte“ streuten; einige weil sie im Internet verbreitet hätten, dass Südkorea zuerst geschossen hat. Gängig ist in Internet-Kommentaren die Ansicht, dass Südkorea zumindest dem Norden einen Vorwand für den Angriff lieferte. Noch gelten in Südkorea Sicherheitsgesetze, die Sympathie für das kommunistische Nordkorea unter Strafe stellen. Fünf Jahre Haft oder hohe Geldbußen drohen für solche Vergehen. „Wo bleibt denn da die Pressefreiheit?“, empört sich Herr Kim.

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