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Koran-Schändung : „Newsweek“ zieht seine Meldung zurück

  • Aktualisiert am

Proteste gegen die angeblichen Koranschändungen in Bombay Bild: REUTERS

Das Magazin „Newsweek“ hatte berichtet, im Gefangenenlager Guantánamo sei der Koran geschändet worden. Das führte zu Aufruhr in mehreren islamischen Ländern. Nach Protesten der amerikanischen Regierung wurde die Meldung zurückgezogen.

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          Das amerikanische Nachrichtenmagazin „Newsweek“ hat seinen Bericht über angebliche Koran-Schändungen im Gefangenenlager Guantánamo nun vollständig zurückgezogen.

          „Auf der Grundlage dessen, was wir heute wissen, ziehen wir unsere Geschichte zurück, in der es heißt, daß eine interne Untersuchung des Militärs Koran-Schändungen in Guantánamo Bay aufgedeckt habe“, erklärte der Herausgeber Mark Whitaker am Montag. Seine Stellungnahme enthielt nur diesen einen Satz.

          Ärger mit der amerikanischen Regierung

          Die amerikanische Regierung reagierte mit heftiger Kritik auf den Rückzieher des Magazins. Am Sonntag hatte Whitaker bereits Teile des Berichts als falsch bezeichnet und sich bei den Opfern der dadurch ausgelösten Unruhen entschuldigt. Die Regierung hatte dies als nicht ausreichend zurückgewiesen.

          Anti-amerikanische Proteste in Pakistan

          Dem Fernsehsender NBC sagte Whitaker am Montag, er und seine Mitarbeiter fühlten sich „fürchterlich“. Er habe sich am Sonntag „bei allen Menschen, allen Opfern der Gewalt, bei den Soldaten und Soldatinnen, die der Gefahr ausgesetzt worden sind, entschuldigt, und wir reden das in keiner Weise klein“. Seiner Überzeugung nach sei der Artikel jedoch auch von islamistischen Extremisten genutzt worden, „um für Unruhen zu sorgen“.

          Proteste in mehreren islamischen Ländern

          In einer Vorabmeldung aus der aktuellen Ausgabe des Magazins hatte Whitaker am Sonntag verkündet, daß der Informant des Blattes sich seiner Angaben nicht mehr sicher sei. Das Magazin hatte am 9. Mai unter Berufung auf einen ungenannten amerikanischen Beamten geschrieben, im Guantánamo-Lager hätten Verhörspezialisten den Koran in die Toilette geworfen. In mehreren islamischen Ländern löste dieser Bericht wütende Proteste aus. In Afghanistan wurden mindestens 14 Menschen bei gewaltsamen Demonstrationen getötet.

          Bevor Whitaker die Geschichte zurückzog, hatte die amerikanische Regierung eine Richtigstellung gefordert. Außenministerin Condoleezza Rice sagte auf dem Heimflug von einem Irak-Besuch, die Angelegenheit sei „äußerst unglücklich“. „Es ist entsetzlich, daß diese Geschichte veröffentlicht wurde, und ich glaube, daß sie viel Schaden angerichtet hat.“ Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, betonte, die Zeitschrift habe die journalistischen Standards nicht eingehalten.

          „Unverantwortlich“

          Außenamtssprecher Richard Boucher sagte, es sei „entsetzlich“, daß ein Artikel, der keine Grundlage habe, so viel Schaden angerichtet und sogar Menschenleben gekostet habe. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, nannte den Bericht über die angeblichen Koran-Schändungen „unverantwortlich“ und „nachweislich falsch“.

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