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Konkurrenz für Nabucco : Russland und die Türkei einigen sich auf Gastransit

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          Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat am Donnerstag in Ankara mit seinem türkischen Gegenpart Recep Tayyip Erdogan eine Vereinbarung über gemeinsame Vorhaben beider Länder in der Energiepolitik geschlossen. Auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi nahm an den Gesprächen teil. Dabei ging es vor allem um russische Konkurrenzvorhaben zum Bau der europäischen Gasleitung „Nabucco“, die von der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich führen soll und die Abhängigkeit Westeuropas von russischen Erdgaslieferungen zu verringern. Russland ist bestrebt, „Nabucco“ durch den Bau einer eigenen Leitung („South Stream“) zuvorzukommen und dem europäischen Projekt damit die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Das Abkommen vom Donnerstag sieht zunächst Erkundungsarbeiten im Schwarzen Meer vor. Putin sagte nach den Gesprächen mit Erdogan, Russland und die Türkei hätten außerdem den Bau von Lagerstätten für Erdgas vereinbart.

          Russland will die Ukraine umgehen

          „South Stream“ soll von der russischen Küste durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort weiter westwärts bis nach Italien führen. Der russische Energieminister Sergej Schmatko, der schon vor Putin nach Ankara gereist war, teilte am Donnerstag mit, der Bau der Leitung solle „spätestens“ im kommenden Jahr beginnen. Es gebe keine schwerwiegenden Gründe für eine Verzögerung, sagte Schmatko.

          Durch die Trassenführung von „South Stream“ durch türkische Gewässer verfolgt Russland unter anderen das Ziel, die Ukraine zu umgehen. In der Vergangenheit war wiederholt die Belieferung Westeuropas mit russischem Erdgas durch die Ukraine unterbrochen worden, weil Moskau und Kiew über den Preis stritten.

          Zu weiteren Gesprächsthemen gehörte laut russischen Angaben ein Ausbau der bereits bestehenden Leitung „Blue Stream“, die Russland und die Türkei verbindet, aber nach Israel verlängert werden könnte. Außerdem ging es um die Zusammenarbeit in Atomfragen. Ein russisches Unternehmen hat sich um den Auftrag zum Bau des ersten Atomkraftwerks in der Türkei beworben.

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