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Rede vor dem Kongress : Franziskus mahnt zur Humanität in der Flüchtlingskrise

  • -Aktualisiert am

Historische Rede vor dem amerikanischen Kongress: Papst Franziskus an diesem Donnerstag in Washington Bild: AFP

Als erster Papst hat Franziskus vor dem amerikanischen Kongress gesprochen. Deutliche Kritik übt er an „ungerechten Strukturen“ des Kapitalismus. Angesichts einer weltweiten Flüchtlingskrise ruft er dazu auf, „menschlich, gerecht und brüderlich zu handeln“.

          Papst Franziskus hat Amerikas Volksvertreter aufgefordert, illegale Einwanderer großzügig aufzunehmen und „eine wichtige Rolle“ beim Klimaschutz zu übernehmen. In der ersten Rede eines Kirchenführers vor dem Kongress wandte sich das Oberhaupt der Katholiken am Donnerstag gegen  die Todesstrafe und lobte in unmissverständlichen Anspielungen die Dialogpolitik von Präsident Barack Obama gegenüber Kuba sowie Iran.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Nur beiläufig und indirekt bekräftigte Franziskus seine Ablehnung von Abtreibungen und der Homosexuellenehe. Der Schwerpunkt der Rede lag damit klar auf Forderungen und Einschätzungen, die in der Demokratischen Partei geteilt und von den Republikanern abgelehnt werden. In seiner Kritik an den „ungerechten Strukturen und Handlungen“ des Kapitalismus ging der Papst allerdings weiter, als es Obamas Demokraten zu tun pflegen. Die Politik dürfe nicht „Sklave von Wirtschaft und Finanzwesen sein“, sagte Franziskus.

          „Brutale Grausamkeiten im Namen der Religion“

          Unmittelbar nach seiner Ansprache verließ er das Kapitol, um mit Obdachlosen zu Mittag zu essen. Der Papst appellierte an die Politiker, die Polarisierung zu überwinden und den „Geist der Zusammenarbeit“ zu erneuern. Ohne den Islam beim Namen zu nennen, sprach Franziskus von „brutalen Grausamkeiten, die sogar im Namen Gottes und der Religion verübt werden“. Er fügte an: „Wir wissen, dass keine Religionsgemeinschaft gegen ... ideologischen Extremismus gefeit ist.“

          Viele Republikaner kritisieren Obama scharf dafür, dass er meist über „gewaltsamen  Extremismus“ spricht, anstatt dem „radikalen Islam“ den Krieg zu erklären. Für Empörung hatte Obama im Februar gesorgt, als er eine entsprechende Frage mit einem Exkurs über die Kreuzzüge erwiderte.

          Franziskus ermahnte den Kongress, sich vor der „Versuchung“ eines „grob vereinfachenden Reduktionismus“ zu hüten;  man könne die Wirklichkeit nicht in „Gute und Böse“ einteilen.

          „Migranten so behandeln, wie wir behandelt werden möchten“

          Im Kontext der „Flüchtlingskrise“ erinnerte der Papst daran, dass „auch auf diesem Kontinent tausende von Menschen nordwärts auf der Suche nach einem besseren Leben“ zögen. „Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung  geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen“, verlangte Franziskus. Die Migranten seien so zu behandeln, „wie wir behandelt werden möchten“.

          Diese „goldene Regel erinnert uns auch an unsere Verantwortung, menschliches Leben in jedem Stadium seiner Entwicklung zu schützen und zu  verteidigen“, fügte der Papst an.

          Anstatt näher auf den Abtreibungsstreit  einzugehen, der den Kongress dieser Tage wieder beschäftigt, münzte der Papst  seine Feststellung auf die Todesstrafe. Später klagte der Papst zwar, dass „die eigentliche Basis von Ehe und Familie“ in Frage gestellt werde. Doch sprach er  sodann nicht über die seit Juni in ganz Amerika legale Homosexuellenehe, sondern über junge Leute, die heutzutage teils mangels Zukunftschancen, teils wegen „so vieler Wahlmöglichkeiten“ keine Familien gründeten.

          Papst prangert Waffenexporte an

          Franziskus kritisierte Waffenlieferungen in Krisen- und Konfliktgebiete. Der Export von Waffen an Akteure, die planten, „Einzelnen und Gesellschaften unsägliches Leid zuzufügen“, geschehe „einfach um des Geldes willen. Für Geld, das von Blut - oft unschuldigem Blut - trieft“, kritisierte er. Franziskus forderte, das „beschämende und schuldhafte Schweigen“ über Waffenlieferungen zu beenden.

          Am Mittwoch hatte der Papst den Franziskaner Junípero Serra heiliggesprochen,  der im 18. Jahrhundert in Kalifornien missioniert hatte. Indianerstämme hatten  das wegen Serras angeblich brutalen Umgangs mit ihren Vorfahren kritisiert. Im Kongress versicherte Franziskus Amerikas Ureinwohnern „meine größte  Hochachtung“. Doch sei es „schwierig, die Vergangenheit mit den Kriterien von heute zu beurteilen“.

          Gar nicht ging der Papst im Kongress auf den  Missbrauchsskandal in seiner Kirche ein. Opferverbände hatten Franziskus am Mittwoch scharf kritisiert, nachdem er vor amerikanischen Bischöfen deren „Mut“  und „große Opfer“ bei der Bewältigung dieser Krise gewürdigt hatte. Viele Missbrauchsopfer werfen der Kirche Tricksereien vor, um Entschädigungen zu  vermeiden.

          Tausende aufmerksame Zuhörer auch vor dem Kapitol

          Vor dem Kapitol verfolgten Zehntausende Menschen, die Rede auf großen Bildschirmen. Dort wollte sich der 78 Jahre alte Argentinier den Menschen auch kurz von einem Balkon zeigen, danach war ein Treffen mit Obdachlosen in der Pfarrei St. Patrick geplant. Der Papst wurde noch am Donnerstag in New York erwartet, wo er an diesem Freitag zur UN-Vollversammlung spricht.

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