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Kongo : Rebellenführer Nkunda in Ruanda festgenommen

  • -Aktualisiert am

Bild: afp

Seine Miliz machte sich der Folter, Vergewaltigungen und Exekutionen schuldig, die Vereinten Nationen führen ihn als Kriegesverbrecher: Bei einer gemeinsamen kongolesisch-ruandischen Militäraktion in Ruanda ist Tutsi-Rebellenführer Laurent Nkunda festgenommen worden.

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          Der kongolesische Rebellenführer Laurent Nkunda ist am Donnerstagabend in Ruanda festgenommen worden. Das bestätigten sowohl kongolesische als auch ruandische Sicherheitskreise. Nkunda sei bei dem Versuch, vor einer gemeinsamen kongolesisch-ruandischen Militäraktion nach Ruanda zu flüchten, gefangenen genommen worden und werde gegenwärtig an einem „geheimen Ort“ verhört. Dabei soll es sich um die ruandische Grenzstadt Gisenyi handeln, wo Nkunda unter Hausarrest gestellt worden sei.

          Es wird erwartet, dass der ehemalige General der kongolesischen Armee nach Kinshasa ausgeliefert wird, wo ein Haftbefehl wegen Desertierung und Kriegsverbrechen gegen ihn vorliegt. Nkunda hatte sich am Donnerstagabend vor den anrückenden kongolesischen und ruandischen Soldaten in Sicherheit bringen wollen, als diese seine Hochburg Bunagana im Dreiländereck von Kongo, Ruanda und Uganda einnahmen.

          Unter dem Kommando Kinshasas

          Der Rebellengeneral war in den vergangenen Wochen von seinen eigenen Leuten isoliert worden, die einen Frieden mit der Regierung in Kinshasa suchen. So hatte einer der maßgeblichen Feldkommandeure der Rebellengruppe „Congrès National pour la Défense du Peuple » (CNDP), Bosco Ntaganda, das Ende der Kämpfe mit der kongolesischen Regierung verkündet und sich dem Kommando Kinshasas unterstellt. Angeblich soll bei dem Einmarsch der Allianz in Nkundas Hochburg Bunagana so gut wie kein Widerstand geleistet worden sein.

          Laurent Nkunda
          Laurent Nkunda : Bild: picture-alliance/ dpa

          Nkunda gehört zur Tutsi-Minderheit der Banyamulenge in Kongo und hatten seinen Kampf stets damit erklärt, diese Minderheit vor den aus Ruanda stammenden Hutu-Extremisten der „Front Démocratique pour la Libération du Rwanda“ (FDLR) in Ostkongo zu schützen. Seine wiederholten Angriffe auf Stellungen der kongolesischen Armee in Nord-Kivu seit August 2008 haben mehr als 200.000 Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden in Nord-Kivu seit 2007 rund zwei Millionen Menschen vertrieben.

          Ruanda sucht Annäherung an Kongo

          Seit Beginn dieser Woche läuft in Nord-Kivu eine gemeinsame Militäraktion von ruandischer und kongolesischer Armee, die sich in erster Linie gegen die FDLR richtet. Mit der Festnahme Nkundas aber demonstriert Ruanda darüber hinaus seine Bereitschaft, die Beziehungen zu Kongo von militärischen und politischen „Altlasten“ bereinigen zu wollen, denn der 41 Jahre alte Nkunda war nach kongolesischer Lesart eine Marionette Ruandas.

          1993 hatte sich Nkunda der Tutsi-Rebellion „Front patriotique du Rwanda“ angeschlossen, die den Völkermord in Ruanda 1994 gewaltsam beendete. Anschließend kämpfte Nkunda auf Seiten des von Ruanda instrumentalisierten kongolesischen Rebellen Laurent-Désiré Kabila gegen die Regierung von Mobutu, bis Kabila als kongolesischer Präsident seine ruandischen Verbündeten des Landes verwies.

          Für die UN ein Kriegsverbrecher

          Ab 1998 tauchte Nkunda bei der ebenfalls von Ruanda ferngesteuerten Rebellengruppe „Rassemblement Congolais pour la Démocratie“ (RCD) wieder auf. Nach dem Friedensvertrag für Kongo 2003 in Sun City wurde Nkunda 2004 zum General der neuen kongolesischen Armee befördert, desertierte aber noch im selben Jahr mitsamt seinen Gefolgsleuten, weil er der Armee Kollaboration mit den Hutu-Extremisten der FDLR vorwarf.

          2004 besetzten seine Kämpfer kurzzeitig die Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu, Bukavu und machten sich dabei zahlreicher Exekutionen und Vergewaltigungen schuldig. Seither führen die Vereinten Nationen Nkunda als Kriegsverbrecher, was sie aber nicht daran hinderte, mit dem ehemaligen nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo einen Sonderbeauftragten zu bestellen, der Nkunda Ende 2008 zu einem Ende der seit 2007 dauernden Krieges gegen die kongolesische Armee in Nord-Kivu anhalten sollte. Entsprechende Gespräche in Nairobi brachten aber keinen Erfolg, da die Nkunda-Emissäre nach Worten Obasanjos „nichts zu sagen“ hatten.

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