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Kongo : Oberstes Gericht in Kinshasa in Brand gesetzt

  • Aktualisiert am

Ein deutscher Soldat beobachtet die Ausschreitungen Bild: AFP

In der kongolesischen Hauptstadt kam es vor dem Obersten Gericht zu einer Schießerei zwischen der Polizei und Anhängern des unterlegenen Präsidentenkandidaten Bemba. Dort wurde gerade Bembas Einspruch gegen das Wahlergebnis verhandelt.

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          Vor dem Gebäude des Obersten Gerichtes in Kinshasa ist es am Dienstag zu einer Schießerei zwischen Polizisten und dem Sicherheitsdienst des in der Präsidentenwahl in Kongo unterlegenen Kandidaten Jean-Pierre Bemba gekommen. Zugleich wurde das Gerichtsgebäude in Brand gesetzt, in dem gerade über den Einspruch Bembas gegen das vorläufige Endergebnis der Wahl verhandelt wurde. Die Auseinandersetzungen begannen, als die Polizei eine Demonstration von rund 200 Bemba-Anhängern vor dem Gebäude mit Tränengas aufzulösen versuchte, nachdem diese damit gedroht hatten, das Gericht in Brand zu stecken.

          Nach Angaben der kongolesischen Polizei haben Bemba-Soldaten in Zivil aus der Menge heraus Schüsse auf die Polizei abgegeben. Laut anderen Quellen waren die Demonstranten zu der unweit des Gerichtsgebäudes gelegenen Residenz Bembas geflohen und die Polizisten von dem dort stationierten Sicherheitsdienst des ehemaligen Rebellenführers unter Feuer genommen worden. Angaben über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor.

          UN-Soldaten schossen in Selbstverteidigung

          Kurz nach Beginn der Schießerei hatten Bemba-Soldaten vor dem Gerichtsgebäude Position bezogen, nachdem die nur mit Schlagstöcken und Tränengasgewehren bewaffnete Polizei geflüchtet war. Die Demonstranten steckten das Gerichtsgebäude sowie zwei Polizeifahrzeuge in Brand. Die permanent um das Oberste Gericht stationierten Soldaten der UN-Mission Monuc hatten in Selbstverteidigung Schüsse abgegeben, nachdem sie unter Feuer geraten waren. Nach Bericht eines Augenzeugen aber waren die Blauhelme anschließend zusammen mit den Polizisten geflohen.

          Sicherheitsleute der Vereinten Nationen von  dem Gerichtsgebäude

          Erst am frühen Nachmittag entspannte sich die Situation, nachdem Monuc 150 Soldaten mit 15 Schützenpanzern sowie europäische Elitepolizisten in das Stadtviertel entsandt hatte, denen es gelang, die plündernde Menge mit Warnschüssen auseinanderzutreiben. In den angrenzenden Straßen zum Obersten Gericht hatten sich zudem Einheiten der europäischen Eingreiftruppe Eufor bereit gehalten, darunter auch deutsche Soldaten. Aus dem Gerichtsgebäude drangen derweil dicke Rauchwolken. Dem Anschein nach aber wurde lediglich ein Nebenflügel vom Feuer zerstört.

          Unklar ist, ob die Plünderer bis in die im ersten Stockwerk gelegenen Räume vordringen konnten, in denen die entscheidenden Wahlunterlagen gelagert werden. Seit Bekanntgabe des Ergebnisses häufen sich die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der beiden Kandidaten. In der Nordprovinz Equateur, der Heimatregion Bembas, sind nach Angaben von Monuc mehrere tausend Menschen aus Angst vor Racheakten der einen oder der anderen Seite geflohen.

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