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UN-Bericht zur Lage in Kongo : Kindersoldaten trinken offenbar Blut ihrer Opfer

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Ein Kinder-Soldat der sogenannten Union Kongolesischer Patrioten posiert mit einer Waffe in der Hand (Archivbild). Bild: Picture-Alliance

Überfälle auf Dörfer, Plünderungen und Massaker an Zivilisten erschüttern Kongos Süden. An den Greueltaten sollen auch Kinder beteiligt sein – die sich mit einem magischen Ritual unbesiegbar machen wollen.

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          Die Gewalt in der Kasai-Region in Kongo hat laut den Vereinten Nationen entsetzliche Ausmaße angenommen. Angriffe auf Dörfer, Plünderungen, Verstümmelungen und Massaker an Zivilisten erschütterten das Gebiet im Süden der Demokratischen Republik Kongo, warnte der Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra’ad al-Hussein, am Freitag in Genf.

          Allein im Zeitraum vom 12. März bis zum 19. Juni seien 251 Menschen gezielt getötet worden. Die Kommission der Vereinten Nationen, die vom 13. bis 23. Juni vom benachbarten Angola aus ermittelte, berichtete von abgetrennten Gliedmaßen und der Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leib. So seien in dem Dorf Cinq 90 Menschen in einer Krankenstation verbrannt, die absichtlich angezündet worden sei. Die Ermittlergruppe gehe von mindestens 80 Massengräbern in dem Gebiet aus, in dem sich Milizen und die Armee schwere Kämpfe liefern. Die Gewalt sei zunehmend ethnisch motiviert. Seid warf der Regierung vor, in die Verbrechen verwickelt zu sein. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

          Die Greueltaten in Kongo werden nach Darstellung der Vereinten Nationen nicht zuletzt von Kindersoldaten begangen. Auf Seiten der Rebellengruppe Kamuina Nsapu kämpften Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis 13 Jahren, geht aus dem am Freitag veröffentlichten Bericht hervor.

          „Zeugen berichteten, dass die Mädchen das Blut der Opfer trinken als Teil eines magischen Rituals, das die Gruppe unbesiegbar machen soll.“ Der Aberglaube in der Bevölkerung trage offenbar dazu bei, dass eine nur schwach ausgerüstete, vor allem aus Kindern bestehende Miliz mehr als ein Jahr lang der Offensive der Armee widerstehen könne, heißt es in dem Bericht.

          Die Regierung trägt laut UN Mitschuld an der Situation. So würden sich auch Polizisten an den Überfällen auf Dörfer beteiligen. Es bestehe die Sorge, dass die Unruhen ein Vorwand sein sollten, Wahlen zu verzögern, erklärte ein UN-Sprecher.

          Die Gewalt in der vormals friedlichen Region Kasai der bitterarmen Demokratischen Republik Kongo war im August 2016 ausgebrochen, nachdem Sicherheitskräfte den Anführer der Rebellengruppe getötet hatten. Rund 1,3 Millionen Menschen sind im Land auf der Flucht.

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