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Kongo : Die Rückkehr der Räuber

Am Fuße des Vulkans Nyiragongo: Anfang dieser Woche in einem Flüchtlingslager nahe Goma Bild: dapd

Von Ruanda finanzierte Rebellen wüten wieder einmal im Osten Kongos. Ihr Ziel ist die Kontrolle über die wertvollen Rohstoffe. Die kongolesische Regierung greift nicht zum Schutz der Menschen ein – im Gegenteil.

          Geschickt verknotet Charles Thomeyni die in Streifen geschnittene Rinde um die vier gebogenen Weidenäste. Dann rüttelt er an dem Gestell, um zu sehen, ob das Ganze nicht wieder zusammenfällt. Tut es nicht. Zufrieden stutzt Charles den nächsten Ast mit kurzen Hieben einer Machete. Jeder Handgriff sitzt. Man sieht, dass er das nicht zum ersten Mal macht. Als das Gerüst nach zehn Minuten steht, bedeckt es eine Fläche von einem Meter auf zwei Metern. Was noch fehlt, ist ein Dach in Form einer Plastikplane – damit wäre die klassische afrikanische Flüchtlingsbehausung fertiggestellt.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Charles Thomeyni hat in den vergangenen Jahren etliche solcher Verschläge bauen müssen. Vor Kämpfen, Plünderern und Wegelagerern zu fliehen, ist für ihn zu einer traurigen Normalität geworden. Dabei ist Charles nur ein harmloser Bauer. In Kibati, einem Weiler unweit der ostkongolesischen Provinzstadt Goma, nennt er ein paar Felder sein Eigen, auf denen er Kartoffeln, Tomaten und Salat anbaut. Doch Kibati ist wieder einmal an die Räuber gefallen, wie schon so oft in den vergangenen Jahren. Und jedes Mal rennt Charles um sein Leben.

          1996 musste die Bevölkerung von Kibati vor der ruandischen Armee fliehen, als diese den Krieg gegen die Völkermörder aus dem eigenen Land nach Kongo trug; 1998 brachte sich Charles vor den von Ruanda finanzierten kongolesischen Rebellen des „Rassemblement congolais pour la démocratie“ (RCD) in Sicherheit, und warum er 2006 wieder alles stehen und liegen lassen musste, hat er mittlerweile vergessen. 2008 lief er dann vor den Rebellen des desertierten kongolesischen Generals Laurent Nkunda weg. Nkunda, der von der ruandischen Regierung ausgehalten wurde, gab damals vor, gegen die letzten Hochburgen der Interahamwe in Kongo zu kämpfen, jenen Massenmördern, die für den Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 verantwortlich waren. Dafür tötete Nkunda Massen von kongolesischen Zivilisten. Und nun muss Charles vor den Rebellen eines Mannes flüchten, der Bosco Ntaganda heißt, ehedem die rechte Hand von Nkunda war und laut einem Bericht der Vereinten Nationen Waffen, Munition und Rekruten aus Ruanda erhält. „Das sind die immer gleichen Barbaren“, sagt der Bauer über die Abfolge der Mörderbanden.

          Seit zehn Tagen hockt Charles nun zusammen mit 40 000 weiteren Flüchtlingen am Stadtrand von Goma. Er kennt das bereits. Und er weiß, dass er jetzt erst einmal warten muss. Warten auf Hilfslieferungen, und vor allem: warten auf ein Ende des neuesten bewaffneten Konfliktes in der ostkongolesischen Provinz Nordkivu. „Diese Banditen kommen immer dann, wenn die Ernte reif ist, das ist fast zu einem Ritual geworden“, sagt er, „kommen einfach über die Grenze und berauben uns.“ Wer kommt über die Grenze? „Na, diese Tutsi aus Ruanda.“

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