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Kongo : Die Rückkehr der Räuber

  • -Aktualisiert am

100 Tonnen Kriegsgerät für Ntaganda

Die Wahrheit sieht leider anders aus. Ntagandas Verschwinden war von langer Hand geplant und die Unterstützung, die seine Rebellenbewegung nachweislich aus Ruanda erhält, ist so etwas wie die Wiederauflage des Nkunda-Dramas; eine Wiederauflage allerdings, die erst durch die Blauäugigkeit der kongolesischen Regierung möglich wurde, die wieder einmal vom Regime in Ruanda vorgeführt worden zu sein scheint.

Als sich Ntaganda 2009 mit seinen Männern ergab und ihn die kongolesische Armee dafür integrierte, wurde er damit aus dem Stand zum obersten Interahamwe-Jäger in Kivu befördert. Das war eine Forderung Ruandas, das sich durch die Präsenz der Völkermörder in Kongo nach wie vor bedroht fühlt. Ntagandas neue Truppe war aber nicht dem Kommando der 8. Brigade unterstellt, die in Goma ihr Hauptquartier hat, sondern operierte mehr oder weniger freihändig. Nach Informationen dieser Zeitung wurden der Ntaganda-Truppe 2009 und 2010 knapp 100 Tonnen nicht registrierte Waffen und Munition von der kongolesischen Regierung geliefert, womit der Statthalter ruandischer Interessen in Kongo über Nacht zum Chef des am besten bewaffneten Armeeteils des Landes aufstieg. Diese Lieferungen fanden ohne die Autorisierung des kongolesischen Parlaments statt.

Im Frühjahr 2011 desertierten die ersten von Ntagandas Männern, was allerdings von der kongolesischen Armee als „Disziplinlosigkeit“ abgetan wurde. Diese Deserteure setzten sich indes nicht in die Region Masisi ab, wo die meisten von ihnen herkommen und es außer Rindern nicht viel zu stehlen gibt, sondern nach Walikale, wo die großen Koltan-Vorkommen Kongos lagern. Koltan ist ein sehr wertvolles Erz, das sowohl in der Raumfahrt als auch bei der Herstellung von Handys und Spielkonsolen Verwendung findet. Die Kontrolle über Walikale ist somit höchst lukrativ und die Besetzung des Ortes durch die Ntaganda-Leute war eine Fortsetzung der ruandischen Bestrebungen, die Rohstoffvorkommen im Nachbarland auszubeuten. Daher herrscht in den beiden Kivu-Provinzen seit 1996 nahezu ununterbrochen Krieg.

Daneben aber hat es die Rebellengruppe M 23 in den vergangenen sechs Monaten geschafft, erstaunliche Allianzen mit anderen bewaffneten Gruppen in Kivu zu schmieden. Obwohl es sich bei den Rebellen überwiegend um kongolesische Tutsi handelt, sogenannte Banymulenge, haben sich ihnen mehrere Mai-Mai-Gruppen angeschlossen. Das ist umso bemerkenswerter, als die Mai-Mai sich selbst als „Selbstverteidigungsgruppen“ gegen die ruandischen Aggressoren bezeichnen und jahrelang von der kongolesischen Regierung mit Waffen versorgt wurden. Inzwischen ist die M 23 so stark geworden, dass die Vereinten Nationen bezweifeln, die kongolesische Armee könne den Vormarsch dieser Rebellen aufhalten. Deren erklärtes Ziel ist es, Goma einzunehmen und damit die kongolesische Regierung aus der wichtigsten Stadt im Osten zu vertreiben. Sollte das tatsächlich gelingen, könnte es durchaus mit dem Sturz der Regierung in Kinshasa enden.

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