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Kongo : Die Rückkehr der Räuber

  • -Aktualisiert am

Kämpfe seit 1996

Der Bauer Charles Thomeyni ist Opfer eines skrupellosen Kampfes um die Macht in Ostkongo. Dabei geht es um die Kontrolle über die kongolesischen Rohstoffe. Das kleine Land Ruanda versucht, sich einen Teil Kongos, nämlich die beiden Kivu-Provinzen, einzuverleiben. Die Vereinigten Staaten haben ihrem ehemaligen Verbündeten Ruanda dafür die Militärhilfe gestrichen, Deutschland, Großbritannien und die Niederlande haben Teile ihrer Entwicklungshilfe eingefroren. Der ruandische Präsident Paul Kagame bestreitet natürlich jede Verwicklung in den ostkongolesischen Konflikt, aber darin hat er Übung – schließlich dauert die Auseinandersetzung in Ostkongo schon seit 1996 an.

Hinter dem jüngsten Konflikt in Nordkivu steckt eine komplizierte Geschichte. Der Konflikt begann im März dieses Jahres, als der kongolesische General Bosco Ntaganda mitsamt seiner Leute aus der Armee desertierte und eine Rebellengruppe namens „M 23“ gründete, benannt nach dem 23. März 2009 – dem Datum, an dem der Rebell Ntaganda seinen ruandischen Freunden den Rücken gekehrt und eine Art Separatfrieden mit der kongolesischen Regierung geschlossen hatte.

Offiziell begründen die Rebellen ihren Kampf mit den Versprechungen, die die kongolesische Führung ihnen beim Eintritt in die Armee gemacht haben soll und die nie eingehalten wurden. Es geht natürlich um Geld, und verwunderlich sind die Vorwürfe schon deshalb nicht, weil die kongolesische Armeeführung in dem Ruf steht, nichts weiter als eine Ansammlung von Geschäftemachern in Uniform zu sein. Doch auch, wenn die Vorwürfe berechtigt sein könnten, ist dieses Argument nur vorgeschoben.

Welchen Schutz bietet die UN? Ein gepanzertes Fahrzeug der Blauhelme vor Kibati Bilderstrecke

Ntaganda, der sich selbst gerne „Terminator“ nennen lässt, ist eine illustre Figur in den endlosen Konflikten an den Großen Seen. Er war einmal die rechte Hand des unlängst in Den Haag verurteilten Kriegsfürsten Thomas Lubanga, bevor er sich Nkunda anschloss. Der Internationale Strafgerichtshof sucht Ntaganda wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Anfang 2009 fiel er seinem Herrn Nkunda in den Rücken und wurde, wie das so geht in Kongo, dafür mit den Generalsstreifen der Armee belohnt. Seine Kämpfer brachte er gleich mit, 6000 an der Zahl.

Im März dieses Jahres verschwand Ntaganda dann wieder mitsamt vielen seiner Männer – just zu dem Zeitpunkt, als zuerst der kongolesische Staatschef Joseph Kabila öffentlich seine Verhaftung erwog und kurz darauf der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes eine lebenslange Haftstrafe für Ntagandas ehemaligen Spießgesellen Lubanga forderte. Seither tröstet sich nicht nur die kongolesische Regierung mit der Illusion, Ntagandas Desertion sei eine Art Kurzschlussreaktion gewesen und sein Raubzug durch die Provinz insofern ein ernstes, aber kein wirklich bedrohliches Problem.

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