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Kongo : Bembas Soldaten verlassen Kinshasa

  • Aktualisiert am

Kämpfer Bembas sollen für die jüngsten Schießereien verantwortlich sein Bild: AP

Der bei der Präsidentenwahl in Kongo unterlegene Kandidat Bemba hat einen Teil seiner Leibwache aus Kinshasa abgezogen. Unklar bleibt, ob dem ein Ultimatum des kongolesischen Präsidenten Kabila vorausgegangen war.

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          Nach den Schießereien rund um das Oberste Gericht in Kinshasa am vergangenen Dienstag haben Teile des Sicherheitsdienstes des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba die Stadt verlassen. Am Donnerstag morgen waren rund 50 Bemba-Soldaten zusammen mit ihren Familien mit Lastwagen der regulären Armee nach Maluku rund 80 Kilometer außerhalb Kinshasa gebracht worden, wo Bemba ein Landgut unterhält. Im Verlaufe des Tages sollten weitere 100 Soldaten folgen.

          Der Sicherheitsdienst Bembas wird sowohl für die Schießereien rund um das Oberste Gericht als auch für die Zusammenstöße Anfang November verantwortlich gemacht, bei denen vier Menschen getötet worden waren, als Bembas Soldaten das Feuer auf Polizisten eröffneten. Im August hatten sich die Präsidentengarde von Joseph Kabila und das Bemba-Lager im Stadtteil Gombe zwei Tage lang Gefechte geliefert, nachdem die Präsidentengarde die Residenz Bembas unter anderem mit Panzern angegriffen hatte.

          Soldaten fürchteten um ihr Leben

          Nach Angaben aus UN-Kreisen war dem Teilabzug vom Donnerstag ein Ultimatum Kabilas vorangegangen, der dem Chef der UN-Mission, William Swing, angeblich 48 Stunden Zeit gegeben habe, die Bemba-Kämpfer aus der Stadt zu schaffen. Anderenfalls werde die Armee die auf 500 geschätzten Soldaten des ehemaligen Rebellenführers entwaffnen. (Siehe auch: Kongo: Kabila stellt Bemba-Milizen Ultimatum)

          Die Nachrichtenagentur AFP meldete indes unter Berufung auf europäische Diplomaten, es habe kein solches Ultimatum gegeben. Vielmehr habe Kabila Bemba in einem Schreiben aufgefordert, im Austausch gegen Sicherheitsgarantien zumindest einen Teil seiner Leibwache aus der Stadt abzuziehen. Bemba soll dem am Mittwoch abend zugestimmt haben.

          Bereits nach den Schießereien Anfang November hatte die UN-Mission in Kongo, Monuc, versucht, die ehemaligen Rebellen nach Maluku zu verlegen. Angeblich hatte sich Bemba damals damit einverstanden erklärt. Seine Gefolgsleute aber hatten die Verlegung verweigert, was Zweifel genährt hatte, ob Bemba seine eigenen Leute noch unter Kontrolle hat. Immerhin hatte sich nach dieser Schießerei nahezu die Hälfte der ursprünglich 1000 Soldaten des ehemaligen Rebellenführers in die „Cité“, das Armenviertel Kinshasas, abgesetzt, weil sie um ihr Leben fürchteten. Offiziell steht Bemba als Vize-Präsident eine Leibgarde von 100 Mann zu, die er aus seiner alten Rebellenarmee „Mouvement pour la libération du Congo“ (MLC) rekrutieren durfte. Der Rest der ehemaligen Rebellen sollte entwaffnet werden. Den harten Kern seiner Truppe hatte Bemba vor der Wahl aber nicht entlassen, sondern ihn mit dem Versprechen geködert, nach seinem Wahlsieg lukrative Posten in der Armee zu bekleiden.

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