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Demokratische Republik Kongo : 17 geköpfte Leichen und Hunderttausend Flüchtlinge

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Kibumba in der Demokratischen Republik Kongo: Menschen auf der Flucht vor Kämpfen zwischen Rebellen und kongolesischen Streitkräften. Bild: dpa

Schwere Kämpfe mit Massakern an der Zivilbevölkerung haben in der Demokratischen Republik Kongo mehrere Hunderttausend in die Flucht getrieben. Im Osten des afrikanischen Landes wurden geköpfte Leichen entdeckt.

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          Im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind 17 geköpfte Leichen entdeckt worden. Laut örtlichen Quellen wird ihre Tötung der islamistischen Rebellengruppe Allied Democratic Forces (ADF) zugeschrieben. Nach Angaben eines Vertreters des Roten Kreuzes hatten Soldaten die Leichen am Donnerstag am Fluss Ituri in der gleichnamigen Provinz entdeckt.

          Demnach besuchte später ein Team des Roten Kreuzes den Fundort, der im Gebiet Irumu liegt. Ein Sprecher der Hilfsorganisation sagte, er verdächtige ADF-Kämpfer der Tötung. Die französische Nachrichtenagentur AFP konnte die Informationen nicht unabhängig prüfen. Ein Bewohner der Region teilte AFP mit, es sei „schwer, die Opfer zu identifizieren“, da ihre Verwesung bereits fortgeschritten sei. Er halte es ebenfalls für wahrscheinlich, dass die ADF-Miliz für die Tötung der 17 Menschen verantwortlich sei.

          Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnet die Allied Democratic Forces als ihren regionalen Ableger in der Demokratischen Republik Kongo. Den Kämpfern der ADF wird die Tötung Tausender Zivilisten im Osten des Landes vorgeworfen. Unter anderem sollen sie bei einem Angriff am 11. Mai mindestens 20 Menschen getötet haben.

          Im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind insgesamt mehr als 120 bewaffnete Gruppen aktiv, Massaker an Zivilisten sind an der Tagesordnung. Die Regierung in Kinshasa hat über Ituri und die benachbarte Provinz Nord-Kivu seit Mai 2021 den Ausnahmezustand verhängt. Die Übergriffe bewaffneter Gruppen gehen dennoch weiter. Das hat nun laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR zur Vertreibung von 72.000 Menschen in kürzester Zeit geführt. Eine Sprecherin des UNHCR sieht dies mit großer Sorge. Die Menschen, die in den vergangenen Tagen vor Gefechten zwischen Regierungstruppen und Milizen geflohen seien, sind dringend auf Hilfe angewiesen, sagte sie in Genf. Ihre Häuser würden oft geplündert.

          Seit im November die Kämpfe zwischen der früheren Tutsi-Rebellenorganisation M23 und den Regierungstruppen in der Provinz Nord-Kivu wieder aufflammten, wurden laut UNHCR mindestens 170.000 Bewohner vertrieben. Rund 7.000 hätten Berichten zufolge vergangene Woche im östlich angrenzenden Uganda Schutz gesucht. Das Land beherbergt bereits mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge. Frauen und Mädchen seien auf der Flucht sexueller Gewalt und Erpressung durch die kämpfenden Gruppen ausgesetzt. Viele Kinder würden von ihren Familien getrennt.

          Die Rebellenorganisation M23, 2013 von der Armee zerschlagen, wirft heute der Regierung in Kinshasa vor, Verpflichtungen hinsichtlich der Demobilisierung von Kämpfern nicht einzuhalten. Die Demokratische Republik Kongo wirft ihrerseits Ruanda vor, die M23 zu unterstützen, was die Regierung in Kigali am Donnerstag abermals bestritt.

          Auch das International Rescue Committee (IRC) und der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC) machten auf die Situation aufmerksam. Ihnen zufolge schleppten sich Flüchtende zu Fuß bis in Vororte von Goma, der Provinz-Hauptstadt von Nord-Kivu. In der Region gebe es bereits insgesamt 1,9 Millionen Vertriebene. Die bewaffneten Auseinandersetzungen seien just in dem Moment wieder aufgeflammt, als früher Vertriebene zurückzukehren begannen. Für Tausende der jetzt Geflüchteten fehle es an Unterkünften sowie an Lebensmitteln und sauberem Wasser, so dass ihnen Krankheiten drohten. Die Kämpfe behinderten humanitäre Hilfe.

          Nach UNHCR-Angaben leben allein in Nord-Kivu mindestens 1,9 Millionen Menschen als Vertriebene. Insgesamt zählt der Kongo 5,6 Millionen Binnenflüchtlinge, mehr als jedes andere afrikanische Land. Die Kosten für humanitäre Hilfe veranschlagt die UN-Organisation auf 225 Millionen US-Dollar (210 Millionen Euro). Davon seien 16 Prozent finanziert.

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