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Konfrontation in Korea : Pjöngjang droht mit Militärschlag

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach der internationalen Verurteilung seines Atomtests verschärft Nordkorea weiter seine Drohungen und Provokationen. Den Beitritt Südkoreas zur amerikanischen „Proliferations-Sicherheitsinitiative“ bezeichnet Pjöngjang als „Kriegserklärung“.

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          Nach der internationalen Verurteilung seines Atomtests verschärft Nordkorea weiter seine Drohungen und Provokationen und hat erklärt, dass Sanktionen ihm nichts anhaben könnten. Pjöngjang droht mit Militärschlägen gegen Südkorea, falls Seoul nordkoreanische Schiffe untersuchen und Waren beschlagnahmen würde. Den Beitritt Südkoreas zur amerikanischen „Proliferations-Sicherheitsinitiative“ bezeichnete Nordkorea als „Kriegserklärung“ und erklärte sich nicht mehr an das Waffenstillstandsabkommen von 1953 gebunden.

          Die Regierung in Seoul hatte nach dem Atomtest des Nordens am Dienstag mitgeteilt, das Land werde dem von den Vereinigten Staaten geführten Programm beitreten, das 2003 aufgelegt wurde, um Staaten wie Nordkorea oder Iran am Handel mit Raketen oder Nukleartechnologie zu hindern. Pjöngjang hatte schon früher erklärt, einen Beitritt Südkoreas als Kriegserklärung zu betrachten. Jeder „feindliche Akt gegen unsere Republik“ werde einen „starken Militärschlag“ nach sich ziehen, hieß es in der nordkoreanischen Erklärung. Nordkorea könne nicht mehr für die Sicherheit der Schifffahrt vor seiner Westküste garantieren. Die 2003 gegründete amerikanische Initiative erlaubt unter anderem die Durchsuchung verdächtiger Schiffe. Südkorea war bisher nur Beobachter.

          Weitere reaktivierte Atomanlagen?

          Nach Berichten aus Südkorea hat Nordkorea auch seine Atomanlage wieder in Betrieb genommen. Eine Auswertung von Satellitenbildern habe ergeben, dass aus der Atomanlage von Yongbyon, zu deren Stilllegung sich Nordkorea bei den Sechser-Gesprächen im Jahr 2007 verpflichtet hatte, Rauch aufgestiegen sei.

          Bild: dpa

          Nordkorea hatte nach der Verurteilung seines Raketentests bereits erklärt, dass es sich auch nicht mehr an die Vereinbarungen der Sechser-Gespräche gebunden fühlt. In Seoul wurde am Mittwoch bestätigt, dass Nordkorea in den letzten zwei Tagen insgesamt fünf Kurzstreckenraketen gestartet hat. Nordkorea plant möglicherweise weitere Raketenstarts, es hat Schiffen empfohlen seine Westküste zu meiden.

          „Jede feindselige Haltung gegen unsere friedlichen Schiffe einschließlich Durchsuchung und Beschlagnahme wird unverzüglich mit einem Militärschlag beantwortet“, sagte ein nordkoreanischer Militärsprecher. Nordkorea könne auch nicht mehr die Sicherheit von südkoreanischen Schiffen an der umstrittenen Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea garantieren.

          Nord- und Südkorea stehen noch immer im Kriegszustand, da der Korea-Krieg lediglich mit einem Waffenstillstandsabkommen, aber nie mit einem Friedensvertrag beendet wurde. An der Seegrenze, der nördlichen Begrenzungslinie, ist es schon mehrmals zu Scharmützeln zwischen nord - und südkoreanischen Schiffen gekommen. Eine nordkoreanische Zeitung erklärte es als lachhaft, dass Amerika glauben könne, Nordkorea sei mit Sanktionen zu bezwingen.

          Russland verstärkt Aufklärung

          Russland verstärkt die militärische Aufklärung im Fernen Osten des Landes und aktiviert den Zivilschutz. Das berichtete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf russische Sicherheitskreise. Es gehe nicht um militärische Anstrengungen, etwa Truppenverlegungen, sondern um Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung für den Fall eines Konflikts auf der koreanischen Halbinsel unter Einsatz von Nuklearwaffen.

          Während Außenminister Lawrow signalisierte, dass Russland eine harte Resolution des Sicherheitsrates gegen Nordkorea mittrage, wurde im Moskauer Außenministerium, Interfax zufolge, zugleich auch um Verständnis für Pöngjang geworben. Ein koreanischer Staat (Südkorea) befinde sich unter dem atomaren Schutzschirm einer Weltmacht (Amerika). Laufend würden Manöver abgehalten, Truppen und neue Waffensysteme stationiert. Man dürfe sich daher nicht wundern, wenn dies in Nordkorea Sicherheitsbedenken auslöse. Die Politik Pjöngjangs billige Moskau jedoch nicht.

          Debatte über schärfere UN-Resolution

          Russland befürworte eine Resolution auf Grundlage von Kapitel VII der UN-Charta („Maßnahmen bei Bedrohung oder Bruch des Friedens und bei Angriffshandlungen“). In dieser Krisensituation sei die Autorität des Sicherheitsrates gefragt, hieß es. Man warne aber vor „Hysterie“. Zuvor hatte schon Russlands UN-Botschafter Vitali Tschurkin in New York gesagt, Moskau wolle eine harte UN-Resolution mittragen. „Wir prüfen verschiedene Gesichtspunkte und viele Vorschlagsvarianten, jedoch ist es noch zu früh, über sie zu sprechen“, sagte Tschurkin, der augenblicklich den Vorsitz des UN-Sicherheitsrats innehat.

          Wegen der ständigen Provokationen Pjöngjangs arbeitet der UN-Sicherheitsrat an einer Resolution, die als Antwort auf den Atomtest vom Montag bereits bestehende Sanktionen weiter verschärfen könnte. Nach Angaben der amerikanischen Botschafterin Susan Rice stehen die Beratungen aber noch ganz am Anfang.

          In den vergangenen beiden Jahren sah es zunächst noch aus, als trügen die seit sechs Jahren andauernden Bemühungen, Nordkorea auf diplomatischem Weg von seinen Ambitionen auf ein Atomwaffenprogramm abzubringen, erste Früchte. Seit April setzt Pjöngjang jedoch zunehmend wieder auf Konfrontation. Anfang April testete es eine Langstreckenrakete und zog sich dann nach den scharfen internationalen Reaktionen von den Sechs-Nationen-Gesprächen über seine Atompolitik zurück. Gleichzeitig kündigte es an, seinen 2007 stillgelegten Reaktor von Yonbyon und weitere Atomanlagen wieder in Betrieb zu nehmen.

          Gefährlicher Konflikt

          Nordkorea hat dem südlichen Nachbarn mit einem militärischen Vorgehen gedroht. Immer wieder ist es nach dem Ende des Korea-Kriegs im Jahr 1953 zu feindlichen Auseinandersetzungen Nordkoreas mit Südkorea gekommen.

          21. Januar 1968:

          Eine nordkoreanische Kommandotruppe überfällt in Seoul den südkoreanischen Präsidentensitz und versucht, den damaligen Staatschef Park Chung Hee zu ermorden. Die 32 Angreifer werden noch vor der Erstürmung gestoppt.

          15. August 1974:

          Ein nordkoreanischer Agent schießt während einer Rede auf Park. Der Präsident setzt seine Rede fort, obwohl seine Frau tödlich getroffen worden ist.

          9. Oktober 1983:

          Nordkoreanische Attentäter verüben kurz vor der Ankunft des südkoreanischen Präsidenten Chun Hoo Hwan in Birma einen Anschlag. Vier Minister aus Südkorea und 16 weitere Menschen werden dabei getötet.

          29. November 1987:

          Alle 115 Insassen eines südkoreanischen Flugzeugs sterben bei der Explosion einer Bombe, die von nordkoreanischen Attentätern an Bord der Maschine versteckt worden ist.

          September 1996:

          Ein U-Boot aus Nordkorea mit mehreren Überfallkommandos an Bord landet an der südkoreanischen Küste und löst eine Hetzjagd aus. 24 Eindringlinge kommen ums Leben, viele davon erschießen sich selbst.

          15. Juni 1999:

          An der zwischen beiden Koreas umstrittenen Grenze im Gelben Meer kommt es zum ersten Seeschlacht seit dem Ende des Korea-Kriegs. Ein Schiff aus dem Norden der Halbinsel sinkt mit rund 20 Seeleuten an Bord.

          29. Juni 2002:

          Bei einer weiteren Seeschlacht kommen sechs Seeleute ums Leben, als ein südkoreanisches Schiff sinkt. Auch 13 Nordkoreaner sterben. Der Vorfall ereignet sich während der Fußball-Weltmeisterschaft in Seoul.

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