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Landrechte in China : Der Selbstmordanschlag, der keiner sein durfte

„Harmonie“ und „Stabilität“: Dieses Bild veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua 2018 von einem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der chinesischen Provinz Heilongjiang. Bild: AP

Weil er sein Land nicht mehr nutzen durfte, sprengte sich ein Bauer in China in die Luft. Konflikte um Landrechte gibt es dort tausendfach. Doch sie passen nicht ins Bild von „Harmonie und Stabilität“.

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          Die Explosion muss eine ziemliche Wucht gehabt haben. Das Gemeindezentrum von Mingjing ist samt Hoftor von oben bis unten in Plastikplanen eingehüllt. In dem Dorf am Rande der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou hat es vor drei Wochen einen Selbstmordanschlag gegeben. Mehrere lokale Parteiführer wurden getötet. Hintergrund der Bluttat ist offenbar ein Streit über Landrechte und Entschädigungszahlungen. Solche Konflikte gibt es tausendfach im ländlichen China, nicht selten werden sie gewaltsam ausgetragen. Doch davon soll die Öffentlichkeit nichts mitbekommen, denn die Wut, die darin zum Ausdruck kommt, trübt das Bild von „Harmonie“ und „Stabilität“, das Chinas Führung ihren Bürgern vermitteln will. Und so kommt es, dass eine Bluttat, die in Deutschland Titelseiten und Sondersendungen füllen würde, in den chinesischen Staatsmedien nur mit ein paar vagen Sätzen erwähnt wird.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          „Die Regierung hat eine Informationssperre verhängt“, sagt ein Restaurantbesitzer in Mingjing. Ein paar Details lässt er sich dennoch entlocken. Der Parteisekretär des Ortes und weitere Funktionäre seien unter den Opfern. Sie hätten sich wie jeden Montag in dem Gemeindezentrum zu einer Sitzung versammelt. Der Täter sei nicht der Einzige gewesen, der mit der Höhe der Entschädigung für sein Land unzufrieden gewesen sei. Eine „Sondereinheit“ der Polizei sei in die Ermittlungen involviert.

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