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Verhandlungen mit Afghanistan : Kein Handschlag in Camp David

Wardooj: Afghanische Sicherheitsbeamte haben am Wochenende die Kontrolle des Distrikts in der Badakhshan Provinz zurückerlangt Bild: EPA

Der amerikanische Präsident bezeichnet die Dauer des Konflikts mit Afghanistan als „lächerlich“. Weil die Taliban aber weiter Anschläge verüben, beendet er die seit 2018 laufenden Verhandlungen. Haben Trumps Berater sich durchgesetzt?

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          Der Ort hätte nicht symbolischer sein können. An seinem Wochenendsitz in Camp David wollte der amerikanische Präsident am Sonntag ranghohe Vertreter der Taliban und den afghanischen Präsidenten empfangen. Just dort, wo sein Vorgänger Jimmy Carter 1978 Anwar al Sadat und Menachem Begin versammelt hatte, um einen Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel auszuhandeln. Nach monatelangen Verhandlungen unter der Ägide des Sondergesandten Zalmay Khalilzad hatte Donald Trump das Treffen geplant, wenige Tage vor dem 18. Jahrestag der Terrorangriffe des 11. September 2001.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Doch aus dem Termin wurde nichts. Trump selbst sagte die Verhandlungen ab und informierte hernach die Öffentlichkeit per Twitter über die geheimen Pläne. Fast niemand habe davon gewusst, schrieb er am Samstagabend. Er habe sich mit zentralen Führungspersönlichkeiten der Taliban sowie – getrennt davon – mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani in Camp David zu geheimen Gesprächen treffen wollen. Bedauerlicherweise hätten die Taliban jedoch eingestanden, einen amerikanischen Soldaten und elf weitere Personen bei einem Anschlag in Kabul getötet zu haben. Er habe daraufhin sogleich das Treffen abgesagt und die Friedensverhandlungen abgebrochen.

          „Was für Leute würden so viele (Menschen) töten, um scheinbar ihre Verhandlungsposition zu stärken?“, fragte Trump. Vielmehr hätten die Taliban dadurch aber ihre Position geschwächt: Wenn sie nicht in der Lage seien, sich während wichtiger Verhandlungen auf einen Waffenstillstand zu verständigen, hätten sie wahrscheinlich ohnehin nicht die Macht, ein bedeutsames Abkommen zu verhandeln, schrieb Trump, auf die internen Friktionen unter den Taliban anspielend. Er schloss mit der Frage: „Wie viele Jahrzehnte sind sie noch zu kämpfen bereit?“

          Eine besonders blutige Woche

          Die Absage des Treffens und die Tatsache, dass es überhaupt geplant war, zeigen, an welchem heiklen Punkt der Verhandlungsprozess zwischen den Amerikanern und den Taliban steht. Er soll den Abzug der amerikanischen Truppen einleiten, zugleich aber die Grundlage dafür schaffen, dass in Afghanistan endlich Frieden einkehren kann. Tatsächlich hatte das Land aber gerade eine besonders blutige Woche hinter sich – denn die Taliban erhöhen während der Gesprächsrunden stets die Schlagzahl ihrer Angriffe.

          Am vorvergangenen Samstag versuchten die Aufständischen, die nördliche Provinzhauptstadt Kundus zu erobern; am Tag darauf griffen sie Pol-e Chomri an, die Hauptstadt der Provinz Baghlan. Am Montag verübten sie einen Anschlag auf das „Green Village“ in Kabul, bei dem 16 Menschen getötet wurden. In dem Viertel sind zahlreiche ausländische Organisationen untergebracht, auch 22 Mitarbeiter der deutschen Bundespolizei, die afghanische Sicherheitskräfte ausbilden. Mehrere Medien berichteten am Sonntag, die Deutschen hätten nun entschieden, ihre Arbeit dort vorerst einzustellen. Auch im Westen Afghanistans gab es in der vergangenen Woche heftige Kämpfe; am Samstag teilten afghanische Regierungsvertreter mit, die massiven Angriffe der Taliban auf die Provinzhauptstadt Farah seien schließlich mit der Hilfe amerikanischer Luftangriffe zurückgeschlagen worden. Aber fast überall im Land gibt es weiter Kämpfe. Dutzende Sicherheitskräfte, Taliban-Kämpfer und Zivilisten wurden getötet.

          Die Attacke, die Trump nun als Grund der Absage der Gespräche in Camp David nannte, hatte sich am Donnerstag ereignet. Es war einer von zwei Autobombenanschlägen in der Hauptstadt Kabul und in der östlichen Provinz Logar, bei denen nach Angaben der afghanischen Regierung insgesamt mindestens 16 Menschen getötet wurden. Unter ihnen waren zwei Nato-Soldaten, einer war Amerikaner, der andere Rumäne. Der afghanische Präsident Ghani kritisierte daraufhin in einer Stellungnahme, es sei „sinnlos“, Friedensgespräche mit einer Gruppe fortzuführen, „die weiter das Töten unschuldiger Menschen betreibt“. Schärfer äußerte sich sein Partner im Wahlkampf für die anstehende Präsidentenwahl, der frühere Geheimdienstchef Amrullah Saleh. Die afghanische Regierung werde ein „schändliches und blamables“ Abkommen nicht unterzeichnen, sagte er.

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