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Konflikt in Syrien : Assad lässt weiterhin Aleppo bombardieren

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Nach der Bombardierung: Suche nach Überlebenden in Aleppo Bild: REUTERS

Die Truppen des syrischen Machthabers führen in Syrien eine Offensive gegen Stadtviertel Aleppos, die von Aufständischen kontrolliert werden. Berichtet wird von mehr als hundert Toten in den vergangenen Tagen.

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          Die syrische Armee hat von der Opposition gehaltene Viertel Aleppos am Mittwoch abermals bombardiert. Seit Sonntag, als bei einem Hubschrauberangriff 76 Menschen getötet wurden, unter ihnen 28 Kinder, führen Einheiten des Machthabers Baschar al Assad eine Offensive gegen Gebiete der Stadt, die von Aufständischen kontrolliert werden.

          Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von mehr als hundert Toten seit Beginn der Angriffe, bei der auch Fassbomben eingesetzt wurden. Wegen der hohen Zahl der Opfer wird die Lage in den Krankenhäusern der Stadt immer verzweifelter. Ärzte und Ambulanzen arbeiteten am Rande ihrer Kapazitäten, sagte ein Sprecher der Organisation Ärzte ohne Grenzen, die Krankenhäuser in Aleppo mit Nothilfe versorgt. Fünf Wochen vor der Syrien-Konferenz, die nahe Genf stattfinden soll, versuche Assad, den Widerstand in Aleppo zu brechen, zitierte die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch Aktivisten.

          „Regime nicht bereit für eine politische Lösung“

          Die Gegend rund um die nahe der türkischen Grenze gelegene Stadt wird weitgehend von Aufständischen kontrolliert. Zuletzt ist es Al-Qaida-Kämpfern und der von Saudi-Arabien unterstützten Islamischen Front gelungen, die gemäßigte Freie Syrische Armee (FSA) zurückzudrängen. Ein Sprecher der mit der FSA verbündeten Syrischen Nationalen Koalition sagte, die jüngste Eskalation zeige „die mangelnde Bereitschaft des Regimes zu einer politischen Lösung“.

          Brite stirbt in syrischer Haft

          Scharfe Kritik am Assad-Regime äußerte der britische Staatsminister im Außenministerium, Hugh Robertson. Die syrischen Behörden hätten einen britischen Staatsbürger „faktisch umgebracht“, sagte er, nachdem bekannt geworden war, dass der Arzt Abbas Khan 13 Monate nach seiner Inhaftierung in einem syrischen Gefängnis gestorben war.

          Um den Opfern des Krieges zu helfen, war Khan 2012 nach Syrien gekommen und hatte in Aleppo einem Krankenhaus gearbeitet. Sein Bruder Afroze sagte der BBC, dass der Chirurg eigentlich diese Woche hätte freikommen sollen. Er warf dem britischen Außenministerium vor, zu wenig für die Freilassung seines Bruders getan zu haben. Menschenrechtsaktivisten nehmen an, dass seit Beginn des Krieges mehr als 4000 Menschen in Assads Gefängnissen ums Leben gekommen sind.

          „Freunde Syriens“ wollen an Assad festhalten

          Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Mittwoch, dass die von den Vereinigten Staaten und Großbritannien geführten „Freunde Syriens“ - eine Gruppe von mehr als hundert Mitgliedern, die die Nationale Koalition unterstützen - bei der Syrien-Konferenz im Januar an Assad festhalten wollen. „Unsere westlichen Freunde haben in London klargemacht, dass man Assad jetzt nicht gehen lassen kann, weil sie glauben, dass Chaos und eine Machtübernahme der Islamisten die Folge wären“, sagte ein ranghohes Mitglied der Opposition.

          Unter Hinweis auf das Auslaufen von Assads zweiter Amtszeit im Juni 2014 sagte der Mann: „Einige scheinen sich nicht einmal daran zu stören, dass er nächstes Jahr wieder antreten könnte, und vergessen dabei, dass er sein eigenes Volk vergast hat.“ Die Vereinigten Staaten und Großbritannien bezichtigen das Regime, von der Opposition gehaltene Gebiete im Osten von Damaskus im August mit Chemiewaffen beschossen zu haben; dabei sollen mehr als etwa 1400 Menschen ums Leben gekommen sein.

          In der Folge hatte das Regime unter großem internationalen Druck einer Vernichtung seines Chemiewaffenarsenals zugestimmt; die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen legte dazu am Mittwoch ihren detaillierten Plan vor. Bis Jahresende sollen 500 Tonnen der giftigsten Stoffe außer Landes geschafft werden; bisher sicherten 19 Länder, so Russland, die Vereinigten Staaten und China, logistische und finanzielle Unterstützung zu.

          Der französische Außenminister Laurent Fabius hatte zuletzt „Zweifel“ an den Chancen einer Einigung zwischen Opposition und Regime bei der geplanten Konferenz geäußert. Deren Ziel ist die Bildung einer Übergangsregierung, an der sowohl Oppositionelle wie Regimeangehörige beteiligt sein sollen. Wegen der anhaltenden Belagerung vieler Städte könnte es jedoch dazu kommen, dass nur eine Einigung über die Aufhebung einiger Blockaden erreicht wird, um Helfern Zugang zu den vom Wintereinbruch zusätzlich betroffenen Bewohnern zu verschaffen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte Anfang der Woche gesagt, die Lage in Syrien habe „sich in unvorstellbarem Maße verschlechtert“. Die UN nehmen an, dass bis Ende 2014 mehr als neun Millionen Menschen in Syrien auf der Flucht sein werden und fünf Millionen in den Nachbarstaaten.

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