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Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik : Paris: Es droht ein Völkermord

Zum weiteren Eingreifen in der Zentralafrikanischen Republik bereit: Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und Frankreichs Präsident Francois Hollande bei einer Militärzeremonie an diesem Dienstag in Paris Bild: dpa

Frankreich will in der Zentralafrikanischen Republik mit 1000 zusätzlichen Soldaten eingreifen. „Es gibt dort keinen Staat mehr“, sagt Verteidigungsminister Le Drian und begründet den Einsatz der französischen Truppen mit einem drohenden Völkermord.

          Frankreich will in der Zentralafrikanischen Republik mit 1000 zusätzlichen Soldaten eingreifen. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian begründete den Einsatz am Dienstag mit einem drohenden Völkermord. „Die Situation ist ganz anders als in Mali. In der Zentralafrikanischen Republik gibt es keinen Staat mehr“, sagte der Minister. Frankreich hat an seinem ständigen Militärstützpunkt in Bangui schon 450 Soldaten stationiert.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Nach der Verabschiedung einer Resolution im UN-Sicherheitsrat „in den nächsten Tagen“ sollen die französischen Soldaten nach den Worten Le Drians in der Zentralafrikanischen Republik intervenieren. Der Hubschrauberträger „Dixmude“ hat den Heimathafen Toulon verlassen und wird in Kürze in Douala in Kamerun erwartet. Auch von Gabun aus sollen Material und Männer in das in der Mitte des afrikanischen Kontinents gelegene Land gebracht werden.

          „Jeden Tag werden schwere Verbrechen begangen“

          Offiziell werden die französischen Truppen nur zur Unterstützung der internationalen Militärmission Misca eingesetzt. Doch ließ Le Drian keinen Zweifel daran, dass Frankreich sich in der Rolle der Schutzmacht sieht. Die Zentralafrikanische Republik befindet sich seit einem Jahr im Bürgerkrieg. „Rivalisierende Gruppen töten sich untereinander, jeden Tag werden schwere Verbrechen begangen“, sagte der Minister. Es sei ein rechtloser Raum entstanden, der die Stabilität der benachbarten Regionen bedrohe.

          Ende März stürzte die Rebellenkoalition Séléka den Präsidenten François Bozizé. Bozizé, der ins Exil nach Paris flüchtete, war bei der früheren Kolonialmacht in Ungnade gefallen, weil er 2007 gegen die Vorherrschaft französischer Unternehmen aufbegehrt hatte. So hatte Bozizé den Erdölsektor privatisiert und einen Konflikt mit dem französischen Total-Konzern herbeigeführt.

          Zudem entschied Bozizé, sich die Abbaurechte für die Uranmine von Bakouma vom französischen Nuklearkonzern Areva teuer bezahlen zu lassen. Das führte dazu, dass die französische Staatsführung anders als in der Vergangenheit auf eine entschlossene Militäraktion verzichtete, um den Sturz Bozizés zu verhindern. Séléka-Führer Michel Djotodia schafft es als Staatschef jedoch nicht, das Land zu befrieden. Die Auseinandersetzungen nehmen immer mehr einen religiösen Charakter an.

          Die Séléka-Kämpfer sind Muslime, Bozizés Anhänger christlich. Außenminister Laurent Fabius sagte, das Land sei „am Rande des Völkermords“. Es herrsche „absolutes Chaos“, niemand habe die bewaffneten Milizen unter Kontrolle. Im Außenministerium wird befürchtet, dass das Land zu einem Rückzugsgebiet für extremistische Islamisten werden könnte, die von der französischen Armee aus dem Norden Malis vertrieben wurden.

          Der französischen Staatsführung ist der fortgesetzte Aufenthalt Bozizés in Paris dabei sichtlich unangenehm. Der gestürzte Präsident war von Kamerun aus in die französische Hauptstadt zu einer „privaten Visite“ gereist. Dass er nun von Paris aus seine Rückkehr nach Bangui vorbereitet, widerspricht dem Bestreben Frankreichs, als uneigennützige Schutzmacht wahrgenommen zu werden.

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