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Militäroffensive in Tigray : EU und UN warnen vor Eskalation in Äthiopien

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Amharische Kräfte auf Seiten der äthiopischen Regierung kehren am 9. November von einem Einsatz in der Region Tigray zurück. Bild: Reuters

Die Vereinten Nationen und die EU warnen davor, dass der militärische Konflikt im Norden Äthiopiens außer Kontrolle geraten und die Stabilität Ostafrikas gefährden könnte. Menschenrechtler berichten von einem Massaker an Zivilisten.

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          Die Vereinten Nationen, die EU und Hilfsorganisationen haben vor einer Eskalation des Konflikts in Äthiopien gewarnt. „Es besteht das Risiko, dass diese Situation total außer Kontrolle geraten wird“, erklärte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, am Freitag. Vor dem Hintergrund einer Militäroffensive der Zentralregierung gegen die Milizen der Regierung der Region Tigray sagte auch der EU-Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarčič, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), diese Krise könne „katastrophale humanitäre Folgen für das ganze Land“ haben. „Die militärische Eskalation in Äthiopien bedroht die Stabilität des ganzen Landes und der Region.“

          Äthiopiens Regierung hatte nach Monaten der Spannungen zwischen Addis Abeba und der „Volksbefreiungsfront von Tigray“ (TPLF) jüngst eine Offensive gegen die bewaffnete Gruppe und die Regierungspartei von Tigray begonnen. Über die Lage vor Ort ist wenig bekannt, da Internet, Telefonverbindungen und Strom gekappt und Straßen blockiert sind. Der Zugang zur Region wurde für Journalist eingeschränkt, Angaben der Regierung zum Geschehen können kaum unabhängig überprüft werden. Dennoch gibt es Bachelet zufolge Berichte über zunehmende Luftangriffe der Regierungskräfte und schwere Kämpfe am Boden.

          Hunderte Zivilisten getötet

          Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach am Donnerstag von Berichten über ein Massaker im Ort Mai-Kadra in Tigray, bei dem wahrscheinlich Hunderte Menschen getötet wurden. Falls sich herausstelle, dass diese Zivilisten absichtlich von einer der Konfliktparteien getötet worden seien, würden diese Tötungen Kriegsverbrechen darstellen, sagte Bachelet.

          Nach einem Beschluss des äthiopischen Parlaments für die Einrichtung einer regionalen Übergangsregierung in Tigray verkündete Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed am Freitag eine neue Führung. Der neue Vorsitzende der provisorischen Regierung von Tigray, Mulu Nega, werde für die Exekutivorgane in Tigray Leiter aus den Parteien ernennen, die „legal in der Region“ tätig seien, schrieb er auf Twitter.

          International wurde vor einer humanitären Katastrophe gewarnt. Schon vor dem Konflikt seien rund drei Millionen Menschen in Tigray und 15 Millionen Menschen im gesamten Land auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, sagte Lenarčič. Matthias Späth, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Äthiopien, sagte: „Tigray ist von allen Nachschubwegen abgeschottet.“ Lenarčič forderte die äthiopische Regierung auf, Hilfsorganisationen Zugang zur Region zu gewähren.

          Warnungen vor Flüchtlingswelle

          In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und Lenarčič, sofortige Deeskalation sei notwendig. Die Äthiopien-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Annette Weber, sagte dem RND: „Wenn sich der Konflikt regional ausweitet, würde das zu großen Migrationsschüben auch nach Europa führen.“ Zudem warnte die Denkfabrik Soufan Center, eine große Flüchtlingswelle in den Sudan könne das Land, das derzeit einen politischen Wandel durchmache, stark destabilisieren.

          Die TPLF war die dominante Partei in der Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regierte. Doch als Abiy 2018 an die Macht kam, entfernte er im Zuge etlicher Reformen viele Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei ohne die TPLF. Die TPLF und viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und wünschen sich größere Autonomie. Unter Abiy – der 2019 den Friedensnobelpreis erhalten hat – haben die ethnischen Konflikte in dem Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern zugenommen.

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