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Konflikt in Äthiopien : Abiy Ahmed setzt auf Stärke

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed bei einer Pressekonferenz im Elysee-Palast in Paris im Oktober 2018 Bild: Reuters

Äthiopiens Ministerpräsident will nicht mit der Regionalregierung in Tigray verhandeln. Aber mit jedem Tag der militärischen Konfrontation steigt die Gefahr, dass der Konflikt weiter ausgreift. Die Folgen sind unkalkulierbar.

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          Es ist kein Jahr her, dass Abiy Ahmed in seiner Nobelpreisrede die Schrecken des Krieges beschwor und dazu aufrief, in Äthiopien und am Horn von Afrika friedliche Verhältnisse zu schaffen. Jetzt scheint er seine eigenen Worte Lügen zu strafen, indem er den Konflikt mit der verfeindeten Regionalregierung in Tigray mit militärischen Mitteln lösen will.

          Die dort herrschende TPLF-Partei – eine hochgerüstete frühere Rebellenorganisation, die aus dem Krieg gegen Eritrea gestählt hervorging – wird sich nicht so schnell fügen. Im Gegenteil sucht sie nun auch die Eskalation und feuert Raketen auf das Nachbarland ab, das sie an der Seite des Präsidenten wähnt.

          Sollte Eritrea in den Krieg hineingezogen werden, hätte das unkalkulierbare Folgen für Äthiopien und die gesamte Region. Von einer Flüchtlingswelle bis hin zu einer Destabilisierung Somalias, wo äthiopische Friedenstruppen stationiert sind, ist vieles möglich.

          Es ist fraglich, ob es ein kluger Schritt von Abiy Ahmed war, so weit zu gehen, dass er die TPLF-Regierung absetzen ließ. Der Friedensnobelpreisträger, der im Militär groß geworden ist, setzt in dieser Konfrontation auf Stärke statt auf Dialog – zumindest bis er seine Ziele erreicht hat. Ausländische Einmischung will er vermeiden. Die internationale Gemeinschaft sollte ihm dabei nicht folgen – denn mit jeder Drehung der Eskalationsspirale drohen weitere Gräben in der von Konflikten durchzogenen Region aufzubrechen.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

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