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Gedenken an Massaker : Mutig in Srebrenica

Geste der Versöhnung: Der serbische Ministerpräsident Vucic trifft Munira Subic, die Vorsitzende des Opfervereins „Mütter von Sebrenica“ Bild: Reuters

Serbiens Ministerpräsident Vučić sollte sich trotz der Zwischenfälle bei der Gedenkveranstaltung in Srebrenica nicht entmutigen lassen. Der Weg zur Aussöhnung auf dem Balkan ist steinig, aber der einzig richtige.

          Die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum Massaker von Srebrenica war ein Wagnis für Aleksandar Vučić. Dass Serbiens Ministerpräsident sich dennoch dazu entschloss, war mutig. Auf den ersten Blick scheint der Mut nicht belohnt worden zu sein. Die Lage drohte außer Kontrolle zu geraten, Vučić kam glimpflich davon. In Bosnien war die Stimmung aufgeheizt, weil erst wenige Tage zuvor Serbiens Schutzmacht Russland im UN-Sicherheitsrat die Verabschiedung einer Resolution verhindert hatte, in der „Srebrenica“ als das hätte bezeichnet werden sollen, was es war: Völkermord.

          Viele bosnische Muslime sind der Ansicht, Vučić persönlich habe sich dafür eingesetzt, dass Moskau seine Vetomacht nutzt, um eine Resolution mit dem Wort „Genozid“ zu verhindern. Doch die leidige Diskussion um das G-Wort führt in die Irre, weil es vielen Politikern, die auf dem Wort beharren, nicht darum geht, der Vergangenheit gerecht zu werden, sondern Machtspiele der Gegenwart zu entscheiden. Vučić sollte sich nicht entmutigen lassen. Der Weg zur Aussöhnung auf dem Balkan ist steinig, aber der einzig richtige.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

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