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Gedenken an Auschwitz : Wunder der Versöhnung

Frank-Walter Steinmeier nimmt am Welt-Holocaust-Forum teil. Bild: AP

Bundespräsident Steinmeier hat in Yad Vashem eine beeindruckende und bewegende Rede gehalten. Doch gab es unschöne politische Begleitmusik zum Jerusalemer Gedenken – für die der russische Präsident Putin verantwortlich ist.

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          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Yad Vashem eine beeindruckende und bewegende Rede gehalten. Da sich das von Deutschen verübte Verbrechen, dessen in Jerusalem gedacht wurde, in seiner Ungeheuerlichkeit mit Worten kaum erfassen lässt, geraten Reden zu solchen Anlässen oft floskelhaft, bleiben bei der Wiederholung bekannter Tatsachen stehen oder flüchten ins Pathos. Man kann solche wortreiche, oft hohl klingende Sprachlosigkeit niemandem verdenken. Sie ist besser als vieles, was in den vergangenen Jahren von Politikern gesagt wurde, die vorgeben, sie wollten die deutsche Nation bewahren.

          Steinmeier aber hat in Jerusalem den richtigen Ton getroffen sowie die richtigen Worte für das Geschehene und für die Bedeutung gefunden, welche das Gedenken für Gegenwart und Zukunft hat. Die entscheidende Passage seiner Rede ist jene, in der er feststellt, dass die Erinnerung nicht gegen das Böse immun macht. Der Rhetorik des „Vogelschisses“ hält er entgegen: „Dieses Deutschland wird sich selbst nur dann gerecht, wenn es seiner historischen Verantwortung gerecht wird.“ Daher kann die Erinnerung an die Vergangenheit kein bloßes Ritual sein: Es geht um die Identität unseres Landes.

          Steinmeier hat eine Formulierung wiederholt, die er schon bei einem anderen, kaum weniger schwierigen Anlass verwendet hat: am achtzigsten Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen. In Jerusalem wie in Warschau sprach der Bundespräsident vom „Wunder der Versöhnung“. Dieses Wunder ist Verpflichtung. Aber diese kann in heikle Situationen führen. Das zeigte die unschöne politische Begleitmusik zum Jerusalemer Gedenken, für die der russische Präsident Putin verantwortlich ist. Polen war in Yad Vashem nicht vertreten, weil Präsident Duda nicht riskieren wollte, als Zuhörer im Publikum zu sitzen, wenn Putin, wie unlängst geschehen, dem ersten Kriegsopfer der Nationalsozialisten wahrheitswidrig eine Mitschuld an deren Verbrechen zuschiebt. Putin war klug genug, das bei dieser Gelegenheit nicht offen zu tun. Hätte er es aber doch getan: Der Vertreter Deutschlands, der eigentlich für den Freund und Verbündeten Polen einstehen müsste, könnte das in einer solchen Situation nur schwer tun – denn auch im Verhältnis zu den Russen wäre es angebracht, von einem „Wunder der Versöhnung“ zu sprechen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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