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Urteil in Minneapolis : Schuldig gesprochen

  • -Aktualisiert am

Ruf nach Gerechtigkeit für George Floyd: Demonstranten in Atlanta zeigen Genugtuung über Schuldspruch für den weißen Polizisten Chauvin. Bild: AFP

Nach dem Urteil gegen Derek Chauvin ist die Erleichterung groß, auch im Weißen Haus. Aber was macht Amerika nun mit diesem Urteil? Das Land muss in sich gehen.

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          Es war „nur“ ein Prozess, und doch wurde über etwas Größeres, verstörend Schändliches verhandelt; etwas, das sich durch die Geschichte der Vereinigten Staaten zieht und deren Gesellschaft zum Teil noch heute prägt: den Rassismus gegen Schwarze. Dieser strukturelle Rassismus sei ein Schandfleck auf der Seele der Nation, sagte Präsident Biden nach dem Schuldspruch gegen den ehemaligen Polizisten Derek Chauvin. Ja, ein Schandfleck und eine der Erbsünden Amerikas.

          Chauvin war des Mordes und des Totschlags an dem Afroamerikaner George Floyd angeklagt, dem er neun Minuten lang sein Knie auf den Hals gedrückt hatte. Floyds Flehen „Ich bekomme keine Luft mehr“ ist zur Klage gegen exzessive Polizeigewalt gegen Schwarze geworden. Das Urteil zeigt, dass es Gerechtigkeit gibt in Fällen, in denen oft ein Berufsgruppen-Schweigekartell herrscht. Chauvin hat es nicht geholfen. Die Tat war nicht zu leugnen, sie war gefilmt worden.

          Was macht nun Amerika mit diesem Urteil, von dem es heißt, es könne zu einem Wendepunkt in der Geschichte werden? Schwarze jubeln, viele Weiße werden Mitgefühl empfinden. Andere Weiße werden die Polizei in Schutz nehmen, die täglich gegen brutale Kriminelle im Einsatz sei; viele von denen seien eben schwarz.

          Und doch: Vielleicht verschließen sich nicht wenige der Tatsache, dass sich in Polizeigewalt ein systemischer Rassismus entlädt. Da gibt es nicht viel zu rechtfertigen. George Floyd ist tot, weil ein Polizist ihn nicht atmen ließ. Amerika muss in sich gehen.

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