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Intervention in Nordsyrien : Eine Chance für Assad

  • -Aktualisiert am

Ein syrischer Regierungssoldat hält am Montag die Nationalflagge in den Straßen der Grenzstadt Tel Tamer hoch. Bild: AFP

In Nordsyrien sieht man auch deutlich, welche Folgen das ständige Zurück- und Ausweichen des Westens hat: Es verhilft einem Gewaltherrscher, an dessen Händen das Blut von Abertausenden klebt, zurück in den Sattel.

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          Der syrische Machthaber Assad hat schon einmal großes Glück gehabt. Vor vier Jahren rettete das Eingreifen Russlands seine Herrschaft und gestattete ihm eine schrittweise Rückeroberung des Landes. Ein großes Stück, das ihm dabei noch fehlt, ist der kurdische Nordosten.

          Der offenbar nicht wirklich durchdachte Einmarsch der Türkei eröffnet Assad nun eine Chance, auch wieder Zugriff auf diese Gebiete zu erlangen. Seine neue Allianz mit den Kurden bringt ihm dem Ziel, ganz Syrien zu kontrollieren, wieder ein Stück näher. Es ist nicht illegitim, wenn ein amerikanischer Präsident sagt, er wolle sich aus fernen Kriegen zurückziehen. Die Europäer können sich da nicht beschweren, denn sie selbst wollten sich ja nie ernsthaft in Syrien engagieren.

          Aber dort sieht man auch deutlich, welche Folgen das ständige Zurück- und Ausweichen des Westens hat, das die jüngste Phase der Interventionen abgelöst hat: Es verhilft einem Gewaltherrscher, an dessen Händen das Blut von Abertausenden klebt, zurück in den Sattel – von neuen Flüchtlingsströmen und Terrorgefahren ganz zu schweigen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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