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Kommentar : Moskaus flexibler Zynismus

Die Sympathien des Kremls sind ihnen sicher: Griechische Demonstranten am Sonntag in Athen Bild: EPA

Eine Eskalation des Namensstreits zwischen Griechenland und Mazedonien würde vor allem einen freuen: den Kreml.

          Der Namensstreit zwischen Griechenland und Mazedonien ist mehr als nur eine Posse zwischen zwei Staaten. Er kann Auswirkungen auf die Stabilität ganz Südosteuropas haben. Weil Athen nicht zulassen will, dass Mazedonien so heißt wie eine Provinz in Griechenland, blockiert es seit Jahren jede Annäherung seines nördlichen Nachbarn an EU und Nato.

          Das hat Mazedonien für Jahre auf autoritär-nationalistische Abwege getrieben, die das Land fast zerrissen hätten; die Folgen für die umliegenden Staaten wären unabsehbar gewesen. Die neuerliche Bewegung im Namensstreit ist durch eine demokratische Wende in Mazedonien ermöglicht worden. Sie geriete in Gefahr, wenn Athen unter dem Eindruck nationalistischer Großdemonstrationen nun wieder auf stur schalten würden.

          Außerhalb Griechenlands würde das jemanden freuen: den Kreml, der den Nato-Beitritt Mazedoniens verhindern will. Moskau zeigt sich in dieser Frage so flexibel zynisch wie immer. Bisher hatte es ein großes Herz für die mazedonischen Nationalisten, nun rät Außenminister Lawrow den Griechen, keinen Kompromiss einzugehen.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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