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Militäreinsatz in Syrien : Isolierte Türkei

Steht in der Kritik: der türkische Präsident Erdogan Bild: EPA

Mit seiner Operation „Friedensquelle“, die keinen Frieden verspricht, hat sich Erdogan isoliert. Ob er die Einsicht haben wird, dass die Türkei allein auf sich gestellt leicht in den Strudel der nahöstlichen Konflikte hinabgezogen werden kann?

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          Die Argumente, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan für die Militäroperation in Nordsyrien vorbringt, überzeugen die Staatengemeinschaft nicht. Was für die türkische Führung eine Terrororganisation ist, nämlich die kurdische Miliz YPG, ist für die meisten anderen die effizienteste Einheit zur Bekämpfung des IS, von der zudem für die Türkei keine Gefahr ausgeht.

          Ginge es der Türkei um den Kampf gegen den Terror, hätte sie das in der syrischen Rebellenhochburg Idlib, für die Ankara die Verantwortung übernommen hat, unter Beweis stellen können. Da Erdogan nun aber weder Europa noch Amerika auf seine Seite ziehen kann, droht er Europa, nicht zum ersten Mal, die Türkei werde die Schleusen öffnen und Millionen Flüchtlinge durchwinken – auch jene, die erst durch die laufende, türkische Operation zu Flüchtlingen werden.

          Erdogan will von Europa zweierlei: die Anerkennung des völkerrechtswidrigen Einmarsches und die Übernahme der Kosten für die Ansiedlung von zwei Millionen syrischen Flüchtlingen in einer Region, aus der die wenigsten von ihnen stammen. Zu beidem wird die EU nicht bereit sein.

          Auch auf die Vereinigten Staaten kann Erdogan nicht setzen, da der Kongress mit Sanktionen droht. Dabei wollen sich die Präsidenten Trump und Erdogan bereits in einem Monat in Washington treffen. Erdogan erwartet offenbar, bis dahin die Operation „Friedensquelle“, die keinen Frieden verspricht, weder Syrien noch der Türkei, abzuschließen. Zu hoffen ist, dass in Ankara die Einsicht um sich greift, dass eine auf sich allein gestellte Türkei leicht in den Strudel der nahöstlichen Konflikte hinabgezogen werden könnte.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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