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Kommentar : Ein barbarisches Verbrechen

Beim Gebet im jordanischen Karak: Saif al-Kasaesbeh (Mitte), der Vater des von der Terrormiliz IS getöteten Piloten, beim Gebet mit Angehörigen seines Familien-Clans Bild: Reuters

Der islamistische Terrorismus frisst sich wie ein Krebsgeschwür durch die arabisch-muslimischen Gesellschaften. War die Verbrennung des jordanischen Piloten Moaz Kasasbehs eine Provokation des IS, die in das Gegenteil umschlägt?

          Das Kalifat, das der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) ausgerufen hat, ist ein Regime des Terrors, ungezügelter Mordlust und brutalster Unterdrückung. Wer dort den Unmut der Herrschenden erregt, muss mit dem Schlimmsten rechnen; Geiseln werden enthauptet. Der gefangene jordanische Pilot Moaz Kasasbeh, dessen Kampfflugzeug bei einem Einsatz gegen IS-Stellungen abgestürzt war, wurde bei lebendigem Leib verbrannt – wie man jetzt erfahren hat zu einem Zeitpunkt, zu dem die Terroristen über einen Gefangenenaustausch „verhandelten“. Sie führten die jordanische Regierung (und die japanische) an der Nase herum. Dieses barbarische Verbrechen lässt niemanden im Unklaren darüber, zu welchen Taten die islamistische Mörderbande fähig ist.

          In Jordanien, das vom Bürgerkrieg in Syrien und frühen Geländegewinnen der Terroristen im Irak unmittelbar betroffen ist und dessen innere Balance sowieso prekär ist, wird jetzt wütend nach Vergeltung gerufen. Zwei verurteilte Terroristen wurden sofort hingerichtet. Sollten es die Mörder des Piloten darauf abgezielt haben, den Unmut der Bevölkerung gegen die Teilnahme des Königreichs am Kampf gegen IS anzuheizen, so haben sie sich getäuscht. Vielmehr scheinen die Entschlossenheit der Führung und die Geschlossenheit im Lande gestärkt worden zu sein. Jordanien wird sich aus der Allianz gegen IS nicht zurückziehen. Die Botschaft lautet: Wir lassen uns nicht einschüchtern.

          War die Verbrennung Moaz Kasasbehs, eines Muslimen, eine Provokation, die in das Gegenteil umschlägt? In der Vergangenheit wurden von IS-Terroristen westliche Geiseln enthauptet – amerikanische, britische und zuletzt japanische Staatsbürger. Die arabischen Reaktionen hielten sich in Grenzen. Das könnte, das muss sich ändern.

          Der islamistische Terrorismus frisst sich wie ein Krebsgeschwür durch die arabisch-muslimischen Gesellschaften. Wer ihm Zucker gibt – finanziell, logistisch, ideologisch –, wirkt bei der Verbreitung mit. Er muss bekämpft werden und zwar mit allen rechtsstaatlichen Mitteln. Dabei müssen sich auch die westlichen Länder engagieren, aus denen Tausende Dschihadisten zu den nahöstlichen Schlachtfeldern gereist sind, um ihre pseudoreligiösen Gewaltphantasien auszuleben. Aber vor allem ist es ein Kampf, den die arabischen und islamischen Ländern selbst führen müssen. Sie sind, auf furchtbare Weise, die Hauptbetroffenen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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