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Friedensnobelpreis : Hoffnung für Äthiopien

Bild: AFP

Für einen jungen Amtsträger wie Abiy Ahmed kann der Friedensnobelpreis eine Hürde sein – aber auch eine Ermutigung. Seine bisherige Versöhnungspolitik hat jedenfalls hohe Erwartungen geweckt.

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          Es ist immer mit einem gewissen Risiko behaftet, einen Staatsmann mit dem Friedensnobelpreis auszuzeichnen, der noch nicht lange im Amt ist. Der Preis kann eine Bürde sein – für seinen Träger, der unter dem Druck steht, sich der früh verliehenen Auszeichnung würdig zu erweisen; aber auch für das Komitee in Oslo, falls die Vergabe sich später als Fehlentscheidung erweist. Zumal im Falle eines Landes wie Äthiopien, wo es genügend Konflikte gibt und Fallstricke, die selbst den erfahrensten Politiker ins Straucheln bringen könnten.

          Auf der anderen Seite kann der Friedensnobelpreis auch Ermutigung und Stärkung bewirken. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Entscheidung für Abiy Ahmed eine gute Wahl. Afrikas jüngster Regierungschef, im April 2018 mit 41 Jahren ins Amt gekommen, entstammte dem inneren Machtzirkel der Regierungspartei, war politisch aber ein unbeschriebenes Blatt. Es dauerte nur Wochen, bis er dem verfeindeten Eritrea die Hand ausgestreckt hatte, nach wenigen Monaten war der Grenzkonflikt zwischen beiden Ländern beigelegt, der seit 1998 mehr als hunderttausend Menschen das Leben gekostet hatte. Vor allem diese Bemühungen hat das Nobelkomitee nun als Begründung für die Preisvergabe herangezogen. Abiy Ahmed hat aber auch innenpolitisch neue Wege beschritten. Politische Gefangene wurden freigelassen, Reformen in Angriff genommen. Das Land, von verkrusteten Strukturen gezeichnet und zuletzt durch Unruhen erschüttert, schöpfte Hoffnung.

          Dennoch ist keineswegs ausgemacht, dass am 10. Dezember in Oslo ein Politiker mit makelloser Bilanz den Preis in Empfang nehmen wird. Spannungen zwischen den Volksgruppen durchziehen Äthiopien, sie haben durch die Öffnungspolitik sogar zugenommen. Zudem gibt es mehr als zwei Millionen Binnenvertriebene, dazu Flüchtlinge aus den Nachbarländern. Abiy Ahmed hat wiederholt zu Ruhe und Geduld gemahnt, und die Unterstützung im Land für seine Politik ist nach wie vor hoch. Aber seine Gegner werden lauter, und die Unruhe nimmt zu. Hält diese Entwicklung an, besteht die Gefahr, dass Äthiopien zerfällt. Welchen Weg Abiy Ahmed beschreiten wird, ist ungewiss. Seine bisherige Versöhnungspolitik hat hohe Erwartungen geweckt. Es gibt gute Gründe dafür, ihn zu bestärken, von dieser Linie nicht abzuweichen.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

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