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Kommentar zu Nordkorea : Jetzt beginnt der Ernst des Lebens

  • -Aktualisiert am

Nun haben sie sich kennengelernt: Kim und Trump Bild: AFP

Es ist gut, dass in Singapur verhandelt wurde, doch die Show ist nun vorbei. Jetzt beginnen die schwierigen Gespräche erst. Auch weil es noch andere Mächte gibt, die mitmischen wollen.

          Die Show ist vorbei, nun beginnt der Ernst des Lebens – hoffentlich. Atmosphärisch war das Treffen des amerikanischen Präsidenten mit dem nordkoreanischen Staatsführer offenbar ein Erfolg. Donald Trump und Kim Jong-un haben eine Vereinbarung unterschrieben, die den Weg in eine friedliche Zukunft für die koreanische Halbinsel ebnen soll. Das ist gut, aber es ist nur ein erster Schritt.

          Trump hat gesagt, „sehr bald“ werde der Prozess der Denuklearisierung Koreas beginnen. Damit hat der Präsident schon einmal eine fundamentale Realität anerkannt. Im wirklichen Politikleben geht nichts von jetzt auf gleich. Und bei einem Gesprächspartner wie dem Nordkoreaner schon gar nicht. Die Verhandlungen, die jetzt wohl beginnen werden, versprechen viel Spannung. Es wird Krisenmomente geben, wenn nämlich klar wird, wer was nicht will.

          Dann muss man hoffen, dass es nicht Menschen wie Sicherheitsberater John Bolton sind, die das Ohr des Präsidenten erreichen. Bolton war in Singapur natürlich dabei. Er hat keine Querschüsse versucht. Aber da nicht anzunehmen ist, dass er seine Überzeugung, in Nordkorea helfe nur ein Regimewechsel, einfach über Bord geworfen hat, kann man in dieser Hinsicht nicht für alle Zukunft sicher sein.

          Bei den vermutlich langwierigen Gesprächen werden auch andere Mächte, allen voran China, mehr oder weniger direkt mitsprechen wollen. Alle unterstützen zwar im Prinzip die sogenannte Denuklearisierung. Was genau sich aber in einer noch zu findenden Übereinkunft hinter diesem Begriff verbergen wird, wissen wir heute noch nicht. Als sicher darf aber gelten, dass Peking den amerikanischen Einfluss in der Region nach Möglichkeit weiter zurückdrängen will. Je nach Verhandlungsverlauf könnte sich ein nach Anerkennung gierender amerikanischer Präsident auf Vereinbarungen einlassen, die gut klingen, die aber letztlich Amerika und seinen Verbündeten schaden. Aber mit dem Beschädigen von Verbündeten hat dieser Präsident ja Übung.

          Es ist noch viel zu tun in und um Korea. Hoffnung auf Besserung ist erlaubt, übertriebene Freude wäre vorschnell. Nicht das geringste Problem bei der ganzen Sache ist, dass da in Singapur zwei miteinander verhandelt haben, auf deren öffentlich geäußertes Wort nur sehr bedingt Verlass ist.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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