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Ausgangssperren in Frankreich : Macrons Keule

Ohne Streik wäre es nicht Paris: Mitarbeiter des Gesundheitswesens demonstrieren für eine bessere Personalausstattung inmitten der Pandemie. Bild: Reuters

Der Präsident war als Liberaler gestartet. Jetzt sieht er sich vom Virus gezwungen, den Franzosen das Savoir-vivre auszutreiben. Vom föderalen deutschen Vorbild ist keine Rede mehr.

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          Der französische Präsident hat Ausgangssperren verfügt und damit zum denkbar schärfsten Instrument vor einem generellen Lockdown gegriffen. Ließ ihm der dramatische Anstieg der Infektionszahlen in der Hauptstadtregion und in anderen Großstädten eine andere Wahl?

          Etwa zwanzig Millionen Franzosen müssen mindestens einen Monat auf elementare Freiheitsrechte verzichten; zwischen 21 Uhr und 6 Uhr dürfen sie nicht mehr ohne triftigen Grund ihre Wohnung verlassen. Hohe Bußgelder drohen, die Polizeipräsenz soll verstärkt werden. Macron zwingt die Großstädter zum vorübergehenden Abschied vom französischen Savoir-vivre, von Essen im Restaurant oder bei Freunden, von Theater-, Kino- und Konzertabenden.

          Für „Europa“ ist keine Zeit

          Sechs Monate nach der Ankündigung, er müsse sich neu erfinden, offenbart Macron jetzt, wie sehr die Pandemie ihn verändert hat. Der als liberaler, proeuropäischer Reformer gewählte Präsident hadert mit der „Gesellschaft freier Individuen“, an die „wir uns schrittweise gewöhnt hatten“. Er sucht Hoffnung darin, „dass wir wieder lernen, eine Nation zu sein“.

          Die Franzosen müssten sich stärker solidarisch mit ihren Mitbürgern zeigen, die Jungen mit den Alten, die Gesunden mit den Kränklichen. Das sind ungewohnte Töne für einen Präsidenten, der lange die Interessen der Leistungsträger und Unternehmungslustigen verteidigt hatte.

          Auch von seiner Europabegeisterung ließ er sich während seines jüngsten Fernsehauftritts nichts anmerken. Er erwähnte die Nachbarländer, nur um deren Zwischenbilanz in der Pandemie zu schmälern. Frankreich habe sich besser geschlagen als behauptet werde. Macron erweckte den Eindruck, als wäre ihm gerade der Vergleich mit Deutschland unangenehm.

          Die guten Vorsätze, die lokalen Entscheidungsträger stärker einzubeziehen, hat er über Bord geworfen. Über die Ausgangssperren befand der Verteidigungsrat im Elysée-Palast, in dem sich im zentralistischen Frankreich alle Macht konzentriert. Macron droht das Misstrauen der Franzosen in seine einsamen Entscheidungen zu verstärken. Dabei ist Vertrauen im Krisenmanagement das höchste Gut.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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