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Anschläge in Sri Lanka : Gegen die Apologeten des Terrors

  • -Aktualisiert am

Sicherheitskräfte stehen am Dienstag vor der Kirche Sankt Antonius in Colombo. Bild: AFP

Der IS hat sich zu den Anschlägen in Sri Lanka bekannt – und von seiner Ideologie fühlen sich immer noch viele angezogen. Gefordert sind deshalb nicht nur die Sicherheitsbehörden in aller Welt, sondern auch mutige religiöse Autoritäten.

          Die Spirale der Gewalt des globalen Terrorismus kennt nur Opfer. Selbst die Täter stilisieren sich zu Opfern, indem sie absurde „Begründungen“ für ihre Verbrechen verbreiten. Der Massenmord in Kirchen und Hotels vom Ostersonntag in Sri Lanka soll also so etwas wie „Vergeltung“ für den Massenmord an Muslimen durch einen Rechtsextremisten in Christchurch vor einiger Zeit gewesen sein? Da konnte es nicht mehr lange dauern bis zur Selbstbezichtigung des „Islamischen Staates“.

          Gegen dessen verquere Logik ist mit rationalen Argumenten nicht anzukommen. Wir stehen der erschreckenden Tatsache gegenüber, dass sich immer noch Menschen in vielen Ländern von dieser Ideologie angezogen fühlen.

          Gefordert sind hier, neben Sicherheitsbehörden in aller Welt, nicht zuletzt religiöse Autoritäten, denn die Terroristen agieren ja angeblich im Namen von Religion. Religiöse Autoritäten müssen die Millionen Muslime bestärken, die Tag für Tag durch ihr Verhalten zeigen, dass Islam eben nicht Mord und Totschlag ist.

          Es braucht Mut

          Sie müssen denen, die anfällig sind für die Parolen der Verbrecher, einen Weg zurück in die Mitte der Gesellschaften zeigen. Sie müssen aber auch Regierungen, die ihr Heil in immer radikalerer Anwendung angeblich gottgefälliger Strafen und innerem Terror suchen, die religiöse Legitimation entziehen.

          Es ist unbestritten, dass dazu Mut gehört. Aber die Religionsgeschichte ist auch eine Geschichte der Mutigen. Im 21. Jahrhundert wird es nicht mehr, wie noch bei Bonifatius im frühen Mittelalter, genügen, eine Eiche zu fällen, um die Machtlosigkeit falscher Götter zu demonstrieren. Aber das sollte uns nicht davon abhalten, gegen die Apologeten des Terrors aufzubegehren.

          Eine traurige Konstante des Kampfes gegen diesen Terror tritt auch in Sri Lanka wieder zutage. Im Nachhinein geht den Behörden ein helles Licht auf, indem sie bemerken, was sie vorher über Tat und Täter schon alles wussten. Dieses Problem wird sich, wie man auch in Deutschland zuletzt beim Fall Amri besichtigen konnte, nicht hundertprozentig abstellen lassen.

          Wenn es aber, wie in Sri Lanka, Behörden- und/oder Politikerrivalitäten waren, die den Verbrechern ihr Tun erleichtert haben, muss schnell und gründlich Abhilfe geschaffen werden. Immerhin sieht es so aus, als habe die Regierung das Problem erkannt.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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