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Türkische Pläne : Erdogans libysches Abenteuer

Will die international anerkannte Regierung in Tripolis in ihrem Kampf gegen General Chalifa Haftar unterstützen: Recep Tayyip Erdogan Bild: dpa

In Nordsyrien steht die Türkei Seite an Seite mit russischen Soldaten, in Libyen kämpfen Türken gegen sie. Aber was wollen eigentlich die Europäer?

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          Die Türkei betritt gefährliches Terrain. Ihre Soldaten stehen bereits in Nordsyrien auf fremdem Boden. Nun will Präsident Erdogan noch nicht definiertes „militärisches Personal“ auch nach Libyen schicken. Dort sollen sie die Regierung Sarradsch stützen, mit deren Hilfe die Türkei ihren Festlandsockel im Mittelmeer zu erweitern hofft. Sarradsch aber steht vor dem Fall, weil er einem mächtigen Gegner gegenübersteht: dem von Russland unterstützten Rebellengeneral Haftar.

          Eben noch hatte Erdogan geglaubt, dank russischer Hilfe in Nordsyrien einen kurdischen Streifen und die Rebellenhochburg Idlib zu kontrollieren. Dann war es gewiss kein Zufall, dass der Vormarsch der Truppen des syrischen Machthabers Assad auf Idlib just in der Zeit begann, als Erdogan die Abkommen mit Libyen aushandelte. Umgehend zog Russland als Antwort auf die unfreundliche Geste die Daumenschrauben an, und in Idlib waren sofort mehr als 230.000 Zivilisten auf der Flucht. Das zeigt, wer am längeren Hebel sitzt. Die Flüchtlinge drängen in die Türkei und von dort möglicherweise weiter nach Europa.

          Für Europa rächt es sich, dass es die Entwicklungen in Libyen zu lange auf die leichte Schulter genommen hat. Vor unserer Haustür treiben in Libyen viele Akteure ihr ungutes Spiel. Europa aber, das am meisten betroffen ist, spielt in Libyen keine Rolle und ist aus dem Rennen. Für die Türkei bedeutet das neue libysche Abenteuer nichts Gutes.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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