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Kommentar : Nichts ist vorbei

„Willkommensgruß“: Ein deutscher Soldat trägt beim Besuch der Kanzlerin ein Abzeichen mit dem Schriftzug „Ich kämpfe für Merkel“ - als Zeichen des stillen Protests Bild: REUTERS

Die Kanzlerin hat sich der großen Risiken erinnert, die die deutschen Soldaten in Afghanistan auf sich nehmen. Das ist auch bitter nötig. Der Abzug vom Hindukusch ist eine Mär. Der Einsatz bleibt auf viele Jahre lebensgefährlich.

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          Bequem war es für Angela Merkel in den letzten Jahren nie, wenn es um den Afghanistan-Einsatz ging. Groß sind die Zweifel unter den Deutschen, ob der Einsatz Sinn macht. Und groß sind auch die Lasten, die die Soldaten im Einsatz, vor allem jene außerhalb der schützenden Feldlager, zu tragen haben. 53 von ihnen bezahlten dafür bislang mit ihrem Leben.

          Doch in den vergangenen zwei Jahren hat der Druck auf sie und die Berliner Abgeordneten spürbar nachgelassen. Bilder von gefallenen Bundeswehrsoldaten blieben aus. Hinzu kam die von mancher Seite mantraartig wiederholte Beschwörung des Jahres 2014 als Ende des deutschen Isaf-Einsatzes. Nach dem Tod eines deutschen Elite-Soldaten am vergangenen Samstag sagte die Kanzlerin beim Besuch im Bundeswehr-Feldlager in Kundus nun, ihr sei wieder bewusst geworden, dass deutsche Soldaten unter „großen, großen Risiken“ im Einsatz stünden. Diese Erkenntnis ist einerseits gut. Andererseits stimmt es bedenklich, dass es dazu eines weiteren Gefallenen und eines Besuchs im Einsatzgebiet bedurfte.

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          Nach wie vor wird am Hindukusch gekämpft, gelitten und gestorben. Dass deutsche Soldaten lange nicht mehr unter den Opfern waren, hat vermutlich mit jahrelanger Einsatzerfahrung und besserer Ausrüstung zu tun. Manchmal aber ist es auch schlicht nur Glück. Das wird sich auch die nächsten Jahre nicht ändern. Zwar betonten Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) jüngst in seltener Einmütigkeit, dass die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ab 2015 nur noch ausbilden und nicht mehr kämpfen sollten.

          Doch die Botschaft dahinter ist eine andere: Deutschland zieht nach dem Ende der Isaf-Mission nicht aus Afghanistan ab, die deutschen Streitkräfte verringern nur ihre Präsenz. Und auch wenn die Soldaten nicht mehr kämpfen sollen, ist schwerlich vorstellbar, wie die avisierten 600 bis 800 Berater, Ausbilder und Unterstützer ihrem Auftrag an der Seite jüngst wieder schrumpfender afghanischer Sicherheitskräfte nachkommen sollen, ohne sich in Gefahr zu bringen. Nichts ist vorbei in Afghanistan.

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