https://www.faz.net/-gpf-9jxeo

Missbrauchs-Kommentar : In die Augen

Sexueller Missbrauch: Dunkle Zeiten für die katholischen Kirche. Bild: dpa

Bevor Papst und Bischöfe von Donnerstag an wieder einmal Opferschicksale bemühen und tätige Reue heucheln werden, wäre es an der Zeit, der eigenen Wahrheit in die Augen zu sehen.

          Wenn der amerikanische Kardinal DiNardo die Entlassung seines Mitbruders McCarrick aus dem Klerikerstand zum Beweis dafür nimmt, dass niemand in der katholischen Kirche über dem Recht stehe, dann muss ihm einiges entgangen sein, und das nicht erst in jüngster Zeit. Der Bischof von Rom etwa steht per se über dem Kirchenrecht – wovon Papst Franziskus nicht nur, aber auch in Sachen Missbrauch weidlich Gebrauch gemacht hat.

          Sodann hat sich bislang niemandem erschlossen, was mit Päpsten wie Johannes Paul II. und Kardinälen wie Sodano und Dziwisz geschehen soll, die Päderasten wie dem Gründer der Legionäre Christi und anderen „charismatischen“ Persönlichkeiten in der Kirche Tür und Tor öffneten (wenn sich diese deren Geld und deren blutjungen Emissären nicht von selbst öffneten). Die Sache ist nur im Fall von Johannes Paul II. klar: Dessen Heiligsprechung liegt noch nicht lange zurück. Bevor Papst und Bischöfe von Donnerstag an wieder einmal Opferschicksale bemühen und tätige Reue heucheln werden, wäre es an der Zeit, der eigenen Wahrheit in die Augen zu sehen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Das steht im Mueller-Bericht Video-Seite öffnen

          Be- oder Entlastung für Trump? : Das steht im Mueller-Bericht

          Präsident Donald Trump sieht sich durch den Bericht von Sonderermittler Mueller komplett entlastet. Doch Mueller entlastet Trump keineswegs vom Vorwurf, im Wahlkampf mit Russland zusammengearbeitet zu haben.

          Topmeldungen

          Donald Trump : Schuldig im Sinne der Politik

          Der Bericht von Sonderstaatsanwalt Mueller bestätigt üble Ahnungen über die Zustände im Weißen Haus – aber nicht über eine vermeintliche Verschwörung mit dem Kreml.

          Präsidentenwahl in der Ukraine : Das System Charkiw

          In der zweitgrößten Stadt der Ukraine haben sich die Machtverhältnisse seit der Revolution 2014 nicht verändert. Aber einiges ist in Bewegung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.