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Missbrauchs-Kommentar : In die Augen

Sexueller Missbrauch: Dunkle Zeiten für die katholischen Kirche. Bild: dpa

Bevor Papst und Bischöfe von Donnerstag an wieder einmal Opferschicksale bemühen und tätige Reue heucheln werden, wäre es an der Zeit, der eigenen Wahrheit in die Augen zu sehen.

          Wenn der amerikanische Kardinal DiNardo die Entlassung seines Mitbruders McCarrick aus dem Klerikerstand zum Beweis dafür nimmt, dass niemand in der katholischen Kirche über dem Recht stehe, dann muss ihm einiges entgangen sein, und das nicht erst in jüngster Zeit. Der Bischof von Rom etwa steht per se über dem Kirchenrecht – wovon Papst Franziskus nicht nur, aber auch in Sachen Missbrauch weidlich Gebrauch gemacht hat.

          Sodann hat sich bislang niemandem erschlossen, was mit Päpsten wie Johannes Paul II. und Kardinälen wie Sodano und Dziwisz geschehen soll, die Päderasten wie dem Gründer der Legionäre Christi und anderen „charismatischen“ Persönlichkeiten in der Kirche Tür und Tor öffneten (wenn sich diese deren Geld und deren blutjungen Emissären nicht von selbst öffneten). Die Sache ist nur im Fall von Johannes Paul II. klar: Dessen Heiligsprechung liegt noch nicht lange zurück. Bevor Papst und Bischöfe von Donnerstag an wieder einmal Opferschicksale bemühen und tätige Reue heucheln werden, wäre es an der Zeit, der eigenen Wahrheit in die Augen zu sehen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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