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Kommentar : Kann jeder in Syrien bomben?

  • -Aktualisiert am

Rauch steigt über Mesraba in der syrischen Region Ost-Ghouta auf, nachdem der Ort von syrischen Regierungstruppen bombardiert wurde. Bild: AFP

Syrien ist schon länger kein Staat mehr. Dort kann sich inzwischen jeder mit militärischer Macht genau den Teil einverleiben, den er will.

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          Kann eigentlich jeder Staat Syrien bombardieren, wenn er will? Nach den letzten Wochen muss man sagen: ja. Jeder kann. Das hat etwas mit Krieg zu tun. Mit Krieg an sich und mit dem besonderen in Syrien.

          Syrien, das war früher einmal Minze, Kardamom, Zimt. Heute ist es Blut und Verwesung. Dabei begann alles leicht, mit einem, wenn auch nur sehr kurzen Frühling vor sieben Jahren. Menschen demonstrierten in allen Teilen des Landes gegen Präsident Baschar al Assad. Die Demonstranten sahen, wie in Tunesien, Ägypten, Libyen die alten Diktatoren vom Volk weggefegt wurden. Das wollten sie auch: Schluss mit der Einparteienherrschaft der Familie Assad.

          Der Konflikt weitete sich dann im Sommer zu einem Bürgerkrieg aus, ein Teil des syrischen Militärs kämpfte gegen den anderen. Anders als in den Nachbarländern trat Assad einfach nicht ab, er wehrte sich. Ausländische Mächte hatten sich da schon längst eingemischt. Die libanesische, von Iran finanzierte Hizbullah unterstützte Assad; Iran schickte „Militärberater“.

          Obama hatte immer gezögert

          Die Aufständischen wiederum bekamen Hilfe von den sunnitischen Monarchien der Arabischen Halbinsel, Saudi-Arabien, Qatar, den Vereinigten Arabische Emiraten, außerdem von der Türkei. Es war ein Bürgerkrieg, in dem Groß- und Regionalmächte ihre eigenen Interessen verfolgten und mitmischten – aber noch nicht offen, noch nicht mit Bomben.

          Das änderte sich durch einen neuen Player, den sogenannten „Islamischen Staat“, der im Jahr 2014 weite Teile Syriens und des Iraks eroberte. Dramatische Bilder lieferte er besonders durch seine Jagd auf Jesiden im Sindschar-Gebirge Iraks. Eine Kommission der Vereinten Nationen sprach später von einem „Völkermord“. Nun bildete sich eine internationale Allianz, hauptsächlich westliche und arabische Staaten, unter Führung von Amerika. Im September schlugen die ersten Kampfflugzeuge zu. Die Rebellen hatten schon lange zuvor auf ein Eingreifen des Westens gehofft. Obama hatte immer gezögert. Jetzt waren sie mit ihren Bomben da. Aber ihr Ziel war nicht Assad, sondern der IS.

          Ein Jahr später griff die zweite Großmacht ein: Russland. Offiziell wollte auch Putin den „Islamischen Staat“ bekämpfen. Aber die Ziele, die er bombardierte, waren die Hochburgen der Opposition, nicht der Islamisten – auch wenn das zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon nicht mehr klar zu trennen war. Assad hat so die entscheidende Hilfe. Er kämpfte sich zurück an die Macht. Am Ende des Jahres 2016 wurde die zweitgrößte Stadt, Aleppo, von der syrischen Armee, mit der Unterstützung Russlands und Irans, zurückerobert. Die Stadt war seit langem das Symbol des Aufstands. Assad hatte, das konnte man langsam ahnen, den Bürgerkrieg gewonnen. Auch der IS wurde immer schwächer. Und trotzdem hörte das Sterben nicht auf. Denn der Krieg war längst kein Bürgerkrieg mehr.

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