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Russland-Kommentar : Ist Putin ein Diktator?

Chefdirigent: Wladimir Putin erteilt das Wort. Bild: EPA

Hoffnungsvoll bezeichnen deutsche Medien Aleksandr Lukaschenka, den Präsidenten von Weißrussland, als „letzten Diktator Europas“. Aber warum spricht bisher kaum jemand von Wladimir Putin?

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          Wieder einmal hat Wladimir Putin seine Muskeln gezeigt. Diesmal im übertragenen Sinne: Auf seiner Mammut-Pressekonferenz zum Jahresende präsentierte er sich als der allwissende und allmächtige Alleinherrscher, der für jedes Problem eine Lösung weiß, von der Müllbeseitigung über die Landwirtschaft bis zum (angeblich drohenden) Atomkrieg. Zu diesem Rollenverständnis passt, was in diesem Jahr Margarita Simonjan über Putin schrieb: „Früher war er einfach unser Präsident und konnte ausgetauscht werden. Jetzt ist er unser Führer. Und wir lassen nicht zu, dass er ausgetauscht wird.“ Die stramme Simonjan ist Chefin der Sendergruppe Russia Today und anderer Organe, also eine zentrale Figur in Russlands Staatsmedien. In ihrem Tweet verwendete sie das Wort „woschd“, das in Russland Stalin vorbehalten ist und kaum anders übersetzt werden kann als mit dem ähnlich belasteten Wort „Führer“.

          Ein Führer, den man nicht auswechseln darf, ist, mit anderen Worten, ein Diktator. Lange Zeit hatten deutsche Medien Aleksandr Lukaschenka hoffnungsvoll als „letzten Diktator Europas“ bezeichnet. Lukaschenka ist in fünfter Amtszeit Präsident von Weißrussland. Aber warum spricht bisher kaum jemand von Putin? Daran knüpfen sich weitere Fragen: Was ist eigentlich eine Diktatur?

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