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Danzig-Kommentar : Hass und Hetze

Menschen stellen bei einem Gedenkmarsch für den verstorbenen Bürgermeister von Danzig, Adamowicz, Kerzen auf. Bild: dpa

Politiker aller Lager neigen in Polen zur Verwendung von blutigen Metaphern. Aber dafür, dass der Hass überhandgenommen hat, gibt es eindeutig eine schuldige Seite: die Rechte um die Regierungspartei PiS.

          Schon in den ersten Aufrufen zu Solidarität und Innehalten nach dem Attentat auf den Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz war zu sehen, wie zerrissen Polen ist. Die rechte Regierung hat sich angesichts des gewaltsamen Todes eines ihrer prominentesten Kritiker zwar korrekt verhalten; doch mit der Forderung, den Mord nicht zu politisieren, versucht sie gleichzeitig, eine nötige Debatte über die Grenzen politischer Rhetorik zu unterbinden.

          Politiker aller Lager neigen in Polen seit langem zur Verwendung von blutigen Metaphern und Beleidigungen – und alle täten gut daran, sich in diesem Moment selbst zu prüfen. Aber dafür, dass der Hass in den vergangenen Jahren in der Auseinandersetzung überhandgenommen hat, gibt es eindeutig eine schuldige Seite: die Rechte um die Regierungspartei PiS.

          Es war ihr Vorsitzender Jaroslaw Kaczynski, der die Opposition im Sejm unter stehendem Beifall seiner Fraktion als „Verräterfressen“ bezeichnet hat, und es war das von ihr kontrollierte öffentliche Fernsehen, das in den vergangenen drei Jahren gegen Adamowicz und viele andere Oppositionspolitiker gehetzt hat.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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