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Kommentar : Ein Anfang in Kalifornien

Die Präsidenten Amerikas und Chinas müssen nicht ziemlich gute Freunde werden. Sie müssen einander „nur“ vertrauen können. Wenn sie bei ihrem Treffen in Kalifornien dafür eine Basis gelegt hätten, wäre viel gewonnen.

          Wenn es nur so leicht wäre: Die Präsidenten der Vereinigten Staaten und Chinas treffen sich unter der kalifornischen Sonne, lernen einander kennen, stellen fest, dass sie nette Kerlen sind, und die Probleme, welche die beiden Länder miteinander haben, lösen sich in Wohlgefallen auf.

          So funktioniert die große Politik in der Regel nicht. Und doch wird man nicht sagen können, dass die Begegnung Obamas mit Xi Jinping keine Frucht getragen hat, im Gegenteil. Sollte es ihnen tatsächlich gelungen sein, an einem Glücksgefühle freisetzenden Ort namens „Sunnylands“ tatsächlich eine Basis des Vertrauens zu legen, dann wäre viel erreicht worden. Enorm viel. Denn Vertrauen ist der politische Stoff, der zwischen der alten Supermacht und der vor Kraft strotzenden asiatischen Großmacht, zwischen der größten und der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fehlt.

          In der Geschichte zeigen einige Fälle, welche tragischen Konsequenzen es hat, wenn aufsteigende Mächte ihren Platz mit allen Mitteln suchen, wenn es zum ultimativen (militärischen) Zusammenstoß kommt. Deswegen ist es für die Weltpolitik von überragender Bedeutung, wenn die Vereinigten Staaten und China ein vernünftiges Verhältnis zueinander entwickeln - ein Verhältnis, in dem China die amerikanische Balancepolitik in Asien nicht missversteht als Versuch, den chinesischen Aufstieg zu verhindern, und in dem Washington nicht den Eindruck bekommt, Peking suche seine Interessen aggressiv und ohne Rücksicht auf seine Nachbarn durchzusetzen.

          Die Art, wie China in den Territorialkonflikten in Ostasien aufgetreten ist, hat ihm keine neuen Freunde gemacht, sondern nur dazu geführt, dass seine Nachbarn ihre mit Amerika abgeschlossenen Lebensversicherungen erneuert haben. Die halten die Präsenz der Vereinigten Staaten in der Region für unerlässlich - zu Recht.

          Amerikas Freunde und Verbündete müssen keine Angst haben, dass Washington und Peking freundschaftsselig ein Kondominium der Weltpolitik bilden. Dafür sie die beiden Länder ordnungs- und wertepolitisch viel zu verschieden, ihre Interessen oft nicht gleichgerichtet. Aber es gibt Themen und Konflikte - von Nordkorea bis zum Klimawandel -, die sich leichter bearbeiten und entschärfen lassen, wenn die Zusammenarbeit nicht verweigert, sondern gesucht wird. Vielleicht haben die Tage in „Sunnylands“ ja einen Impuls hierzu gegeben und Misstrauen abgebaut. Ziemlich gute Freunde müssen Obama und Xi ja nicht gleich werden, sie müssten einander „nur“ vertrauen können.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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