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Kommentar : Die Ziele des IS

  • -Aktualisiert am

Trauer vor Big Ben: Der Terror des IS ist zurück in London. Bild: AFP

Obwohl der Anschlag eines mutmaßlichen IS-Anhängers London erschüttert, verfehlt die Terrormiliz ihre Ziele. Der militärische Druck auf sie steigt, der Westen ist nicht von Islamfeindlichkeit geprägt.

          Ob der „Islamische Staat“ wirklich hinter jedem Anschlag steckt, den er für sich in Anspruch nimmt, weiß man nicht. Sicher ist aber, dass sich die meisten islamistischen Attentäter der jüngsten Zeit von der Terrormiliz zumindest inspirieren ließen. Das Vorgehen des Londoner Täters spricht dafür, dass es auch dort so war. Trotz des immensen militärischen Drucks, unter dem der IS im Irak und in Syrien steht, scheint die Anziehungskraft seiner Ideologie auf dafür anfällige Männer in westlichen Ländern also ungebrochen. Für die Politik heißt das: Die (notwendige) Vernichtung des IS wird die Terrorgefahr auf absehbare Zeit verringern, nicht aber komplett beseitigen.

          Eine ganz andere Frage ist, ob solche Anschläge überhaupt den Zielen des IS dienen. Das ist trotz der Monstrosität jeder einzelnen Tat bisher nicht der Fall. Die Angriffe richten sich stets gegen Länder, die an der Kriegskoalition gegen die Terrormiliz beteiligt sind. Keines davon hat deshalb sein militärisches Engagement in Frage gestellt.

          Im Gegenteil: Frankreich, das zuletzt am härtesten getroffen wurde, hat seine Einsätze gegen den IS ausgeweitet. Das andere große Ziel der Dschihadisten ist die Spaltung von Muslimen und Andersgläubigen in der westlichen Welt. Man kann den Wahlsieg von Donald Trump in Amerika in diesem Sinne deuten, obwohl da andere, vor allem wirtschaftliche Faktoren ebenfalls von Bedeutung waren; auch der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in Europa spielt dem IS in die Hände. Trotzdem wird man unter dem Strich sagen können, dass die westlichen Gesellschaften bisher nicht von flächendeckender Islamfeindlichkeit geprägt sind. Und das Alltagsleben schränken wegen der allgegenwärtigen Anschlagsgefahr ohnehin nur die wenigsten Menschen ein.

          Schwieriger dürfte es werden, aus dem Londoner Fall Lehren für die Terrorabwehr zu ziehen. Die Briten haben sich nach den jüngsten Anschlägen auf dem Kontinent gerne der weitreichenden Befugnisse ihrer Sicherheitsbehörden gerühmt. Nun zeigt sich, dass man selbst damit nicht jeden Täter stoppen kann, vor allem nicht, wenn er einfache Mittel für seine Bluttat wählt. Mit der Polizei alleine wird man dem gewalttätigen Islamismus nicht Herr werden – noch nicht einmal mitten im Regierungsviertel einer westlichen Demokratie.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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