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Hunderte Tote bei Pilgerfahrt : Das Unglück von Mekka

Eine schreckliche Tragödie: Helfer und Pilger am Donnerstag in Mina Bild: AP

Es geschah während der ersten Pilgerfahrt unter seiner Regentschaft. Das Unglück von Mekka trifft den neuen saudischen König Salman schwer. Zu mehr Demut in Riad wird aber auch diese Tragödie nicht führen.

          Das Unglück von Mekka trifft den neuen saudischen König Salman schwer. Denn es geschah während der ersten Pilgerfahrt unter seiner Regentschaft. Die saudische Königsfamilie legitimiert aber ihre Herrschaft mit der Verantwortung über Mekka und Medina, den beiden den Muslimen heiligen Stätten. So lautet der offizielle Titel des saudischen Königs: „Hüter der beiden heiligen Stätten.“ Denn im politischen Denken des Islams ist der Titel „König“ ein Fremdkörper.

          Daher hat die Dynastie der Al Saud seit der Eroberung von Mekka und Medina 1924 dem reibungslosen Ablauf der Pilgerfahrt höchste Bedeutung zugemessen. Um diesen in Zeiten schnell wachsender Pilgerzahlen zu gewährleisten, war der königlichen Familie keine Summe und keine Anstrengung zu groß. Über Jahrhunderte waren lediglich einige Zehntausend Muslime auf den Wegen gepilgert, auf denen sich heute drei Millionen Pilger drängen. Zurück in ihrer Heimat sollen sie davon künden, wie vortrefflich die Saudis für die Erfüllung der rituellen Pflicht sorgen.

          Dieses Unglück stellt nun in Frage, ob die Saudis ihrer Verantwortung über Mekka und Medina gerecht werden. Dabei büßt König Salman, der seit Januar im Amt ist, für die Fehler seiner Vorgänger. Denn in den vergangenen Jahrzehnten wurde nicht nur die Infrastruktur entlang der Pilgerrouten gewaltig ausgebaut und modernisiert. Mekka wurde ein Projekt des Kommerzes mit Immobilienpreisen, die weltweit zur Spitzengruppe gehören. Immer mehr Muslime klagen, dass darunter die Spiritualität leide.

          Das alles ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker und Feinde der Saudis. So bestreitet der „Islamische Staat“ den Anspruch der saudischen Königsfamilie, der gottgewollte „Hüter der beiden Heiligen Stätten“ zu sein. Auch andere werden das Unglück als „Strafe Gottes“ für die saudische Politik interpretieren. So verfolgt König Salman mit dem Krieg im Jemen, den er begonnen hat und unter dem die Zivilbevölkerung leidet, das Ziel, Saudi-Arabien als unbestrittene Vormacht in der arabischen Welt zu etablieren. Auch die Islamische Republik Iran wird sich mit ihrer Kritik bestätigt sehen, dass Saudi-Arabien seiner religiösen Verantwortung nicht gerecht wird. Im Westen müssten bei derart großen Unglücken Politiker zurücktreten, in Riad wird es aber nicht einmal zu mehr Demut führen. Dem saudischen Hegemoniestreben versetzt das Unglück aber einen Dämpfer.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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