https://www.faz.net/-gpf-16gye

Kolumbien : Santos siegt - aber verfehlt die absolute Mehrheit

  • -Aktualisiert am

Wahlsieger Juan Manuel Santos lässt sich in Bogotá von seinen Anhängern feiern Bild: dpa

Der frühere Verteidigungsminister Juan Manuel Santos hat bei der Präsidentschaftswahl entgegen den Vorhersagen doppelt so viele Stimmen erhalten wie sein Konkurrent Antanas Mockus. Trotzdem wird es eine Stichwahl geben.

          4 Min.

          Mit dem überraschend hohen Anteil von 46,5 Prozent der Stimmen ist der frühere Verteidigungsminister Juan Manuel Santos als Sieger aus den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien hervorgegangen. Er erhielt damit mehr als doppelt so viele Voten wie sein Konkurrent, der Mathematiker, Philosoph und frühere Bürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus, der sich mit 21,5 Prozentpunkten begnügen musste.

          Da Santos nicht die absolute Mehrheit erreichte, müssen beide Bewerber am 20. Juni in einer Stichwahl antreten. In Umfragen vor der Wahl war für Santos und Mockus ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Resultat von jeweils etwa 35 Prozent vorhergesagt worden. Das unerwartet schwache Ergebnis für Mockus wird auf die Passivität der jungen Wähler in den Städten zurückgeführt, die sich während des Wahlkampfs zwar für die Ideen des Kandidaten begeistern ließen, aber schließlich doch nicht an die Urne gegangen sind. Mockus hatte mit seinem Wahlkampf über die sozialen Netzwerke im Internet gerade bei der jüngeren Wählerschaft großen Anklang gefunden.

          Die „grüne Welle“, wie das Phänomen wegen Mockus' Zugehörigkeit zur Grünen Partei genannt wurde, war offenbar doch nicht so mächtig, wie es zunächst schien, um Santos, dem Kandidaten der „U-Partei“ (Partido de la Unidad Nacional) und des scheidenden Präsidenten Alvaro Uribe das Wasser abzugraben. Die ungewöhnlich große Fehlerquote bei den Umfragen beruht nach Ansicht von Beobachtern darauf, dass die Meinungsforschungsinstitute fast ausschließlich Bewohner der Städte befragt haben und es außerordentlich schwierig ist, die Stimmung in den abgelegenen Landesteilen zu erkunden. Dort wurde aber hauptsächlich für Santos votiert. Lediglich in einem der 32 Departements (Provinzen), in Putumayo, hat sich Mockus durchsetzen können.

          Santos steht für die Fortsetzung von Uribes Politik

          Gleichfalls entgegen allen Vorhersagen landete der Kandidat der Gruppierung „Radikaler Wechsel“ (CR), Germán Vargas Lleras, auf dem dritten Platz. Dessen Stimmenanteil von zehn Prozent dürfte im Stichentscheid vor allem Santos zufallen. Vargas hatte sich mit der CR, einer Abspaltung aus der Liberalen Partei, aus der Regierungskoalition gelöst, als Uribe den - vom Verfassungsgericht untersagten - Versuch unternahm, eine dritte Amtszeit in Folge anzustreben. Der Enkel des früheren Präsidenten Carlos Lleras Restrepo (1966 bis 1970) unterstützt jedoch Uribes harten Kurs bei der Bekämpfung der Guerrilla. Er hat zwei Attentate überstanden. Beim Öffnen einer Buch-Bombe sind ihm mehrere Finger abgerissen worden, dem Anschlag mit einer Autobombe entkam er unverletzt.

          Uribes Kronprinz Santos steht trotz seiner Beteuerung, einen anderen Regierungsstil pflegen zu wollen, für die nahtlose Fortsetzung der Sicherheitspolitik seines Vorbilds. Santos hat Uribe auch bereits für den Fall seines Sieges in der Stichwahl einen Posten auf Wunsch in seinem Kabinett angeboten. Als Verteidigungsminister war Santos der Erfinder und Organisator der beiden spektakulärsten Schläge gegen die Guerrilla-Organisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc)“: der Militäraktion, mit der die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt freikam, und des Angriffs auf das Farc-Camp in Ecuador, bei dem der Anführer Raúl Reyes getötet wurde. Die Regierung in Quito hat deshalb die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen, die ecuadorianische Justiz ermittelt gegen Santos.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unter Korruptionsverdacht : Früherer König Juan Carlos verlässt Spanien

          In einem Brief teilt der ehemalige spanische Monarch seinem Sohn mit, dass er das Land verlassen will. Juan Carlos ist in einen Finanzskandal verstrickt. Mit dem Schritt erspart er Felipe VI. eine schwere Entscheidung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.