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Kolumbien : Ingrid Betancourt durch Bluff befreit

  • Aktualisiert am

Ingrid Betancourt in Gefangenschaft (Archivbild vom 30.11.2007) Bild: dpa

Die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt ist nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft wieder in Freiheit. Betancourt sei durch einen Trick des Militärs aus der Hand der Farc-Rebellen gerettet worden, teilte der kolumbianische Verteidigungsminister mit.

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          Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt ist nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft bei linken Farc-Rebellen befreit worden. Außerdem seien drei ebenfalls seit Jahren verschleppte Amerikaner sowie elf Kolumbianer bei der Aktion „Schach“ freigekommen, teilte Verteidigungsminister Juan Manuel Santos am Mittwoch mit.

          Für die Freilassung Betancourts hatten sich weltweit über die Jahre zehntausende Menschen bei Kundgebungen und Demonstrationen eingesetzt. Zuletzt bemühte sich auch Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy um ein Ende des Geiseldramas. Zuvor hatte es geheißen, Betancourt sei todkrank. Nun teilte Santos jedoch mit, sie sei wie die anderen Geiseln bei relativ guter Gesundheit.

          Betancourt kommt durch Trick des Militärs frei

          Betancourt ist durch einen spektakulären Trick des Militärs befreit worden. Die Rebellen hätten ihre im Südwesten des Landes festgehaltenen Geiseln in einem gemieteten zivilen Hubschrauber transportieren wollen, sagte Verteidigungsminister Santos. Tatsächlich habe es sich aber um eine Maschine der Streitkräfte gehandelt, fügte der Minister hinzu.

          „Es wurde nicht ein Schuss abgegeben und die Ex-Geiseln sind in guter Verfassung“, sagte Santos weiter. Außerdem seien zwei Rebellen, darunter der Chef der Geiselbewacher mit dem Kampfnamen „César“, festgenommen worden. Für politische Beobachter in der Hauptstadt Bogotá war es der bisher schwerste Schlag der Regierung des konservativen Präsidenten Alvaro Uribe gegen die marxistische Rebellengruppe „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc).

          In einer ersten Reaktion auf ihre Freilassung sprach Betancourts Sohn Lorenzo Delloye von „unbeschreiblicher Freude“. „Ich kann es kaum glauben“, wurde er am Mittwochabend von französischen Medien zitiert. Als „wunderschöne Nachricht, die viel Freude und Grund zur Hoffnung“ auslöse, bezeichnete Vatikansprecher Federico Lombardi die Berichte von der Befreiung Betancourts. Der Papst hatte in der Vergangenheit mehrmals zur Befreiung der Farc-Geiseln und speziell Ingrid Betancourts aufgerufen.

          Triumph für Präsident Uribe

          Mit der Befreiung von Betancourt kann der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe seinen größten Triumph über die marxistische Rebellengruppe „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) feiern. Nach Einschätzung politischer Beobachter in Bogotá ist der Erfolg ein weiteres Zeichen für die Schwächung der einst unschlagbar erscheinenden Farc.

          Zuletzt waren die Rebellen offenbar nur noch vor dem immer stärker werdenen Militär auf der Flucht. Eine Tortur für die Geiseln, die durch das jahrelange Martyrium im Urwald oft psychisch und physisch erschöpft waren. Auf der letzten Videobotschaft der Rebellen, die Ende vergangenen Jahres beschlagnahmt worden war, saß Betancourt völlig apathisch im Urwald. Die früher kampflustige Politikerin hatte offenbar jeden Lebenswillen verloren.

          Befreiung war hohes Risiko

          Uribe ging mit der gewaltsamen Befreiung ein extrem hohes Risiko ein. Wären die Geiseln dabei wie in vielen früheren Fällen zu Tode gekommen, wären seine Tage an der Spitze des Staates gezählt gewesen. Der selten lächelnde und asketisch lebende Uribe war ohnehin schon durch den Skandal um die mögliche Bestechung von Abgordneten zu Gunsten seiner Wiederwahl 2006 unter Druck geraten. Vergangene Woche hatte er sich sogar für eine Wiederholung der Wahl ausgesprochen.

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