https://www.faz.net/-gpf-whp6

Kolumbien : Farc sagen Geiselübergabe ab

  • -Aktualisiert am

Das Rote Kreuz hatte alles vorbereitet, aber die Koordinaten kamen nicht Bild: AFP

Die groß angekündigte Befreiung von drei Geiseln aus der Gewalt der Farc ist gescheitert. Venezuelas Präsident Chávez beschuldigt den kolumbianischen Präsidenten Uribe, die Rettung vereitelt zu haben. Der nennt die Guerrilleros zynisch und verlogen.

          2 Min.

          Die Guerrilla „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) hat die angekündigte Freilassung von drei ihrer Geiseln bis auf weiteres verschoben. In einer Mitteilung an den venezolanischen Präsidenten Chávez, dessen Plan zur Befreiung der Entführten damit gescheitert ist, teilten die Farc mit, intensive Militäroperationen in dem für die Übergabe vorgesehenen Gebiet hätten die Übergabe der drei Personen verhindert.

          Die Regierungsvertreter aus sieben Ländern, die als „Garanten“ an der Übergabe hätten teilnehmen sollen, sind daraufhin von der kolumbianischen Stadt Villavicencio nach Venezuela geflogen. Der frühere argentinische Präsident Néstor Kirchner, der die Gruppe anführte, kehrte nach Argentinien zurück.

          Chávez bezichtigt Uribe der Lüge

          Chávez hob hervor, dass die Operation zur Freilassung der Geiseln weitergeführt werde, wenn auch möglicherweise im geheimen. Er beschuldigte den kolumbianischen Präsidenten Uribe, die Rettungsaktion „manipuliert“ und damit vereitelt zu haben und zu lügen.

          Venezuelas Präsident Chávez macht Uribe verantwortlich

          Uribe, der am Silvestertag nach Villavicencio geflogen war, bestritt, dass es in dem für die Freilassung vorgesehenen Gebiet Kämpfe zwischen den Streitkräfte und der Guerrilla gegeben habe. Er bekräftigte die Sicherheitsgarantien seiner Regierung innerhalb eines „Korridors ohne aktive militärische Präsenz“ und nannte die Behauptungen der Farc „zynisch“ und „verlogen“. Chávez hielt Uribe vor, er habe seiner Bitte nach einem allgemeinen Waffenstillstand für die Zeit der Aktion nicht entsprochen.

          Uribe überraschte mit der Behauptung, die Farc hätten Clara Rojas, die Gefährtin der früheren Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, und die frühere Abgeordnete Consuelo González de Perdomo nicht freigelassen, weil sich die dritte für die Übergabe vorgesehene Geisel, das in der Gefangenschaft geborene Kind von Clara Rojas und einem Guerrillero, gar nicht in der Gewalt der Farc befinde. Es lebe vielmehr unter anderem Namen in einem staatlichen Heim in Bogotá.

          Uribe empfahl einen Gentest, um das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Kind und den Angehörigen von Clara Rojas zu klären. Der Junge sei im Juni 2005 in schlechtem gesundheitlichen Zustand in der Region Guaviare, in der mutmaßlich auch die beiden Frauen festgehalten werden, den Behörden übergeben worden.

          Das Rote Kreuz wochenlang hingehalten

          Die Farc haben immer wieder Abmachungen gebrochen und insbesondere Fristen verstreichen lassen. Dabei lautete auch bisher meist die Begründung, ihre Sicherheit sei nicht gewährleistet. Bei der Übergabe der Leichname von elf von ihnen entführten und bei einer bislang ungeklärten militärischen Konfrontation erschossenen kolumbianischen Politiker hatten sie das Rote Kreuz wochenlang hingehalten und immer neue Termine und Örtlichkeiten für die Aktion genannt.

          Auch diesmal hatte das Internationale Rote Kreuz die Führung der Befreiungsaktion übernommen. Es war alles für die Übernahme der Geiseln bereit, zuletzt waren sogar zwei kleinere, wendigere Hubschrauber nach Villavicencio geflogen worden. Die Farc teilten jedoch nicht die Position für die Geiselübergabe mit. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz kündigte an, anders als die Regierungsvertreter an Ort und Stelle auszuharren.

          Oliver Stone hatte nichts zu filmen

          Zu den Enttäuschten der abgebrochenen Aktion gehört auch der amerikanische Regisseur Oliver Stone. Dank seiner guten Beziehungen zu Chávez hätte er offenbar die Geiselübernahme filmen dürfen sollen.

          Chávez hatte die von ihm vor einer Woche groß angekündigte Befreiung, zu der er die Genehmigung der kolumbianischen Regierung erhielt, von Venezuela aus geleitet. Das vorläufige Ende der Aktion teilte er in Caracas mit.

          Zum Jahreswechsel zeigte er sich ungewohnt versöhnlich. Er verkündete eine Amnestie für Personen, gegen die Gerichtsverfahren wegen ihrer Beteiligung an dem gescheiterten Putschversuch im April 2002 laufen, und einen Straferlass für 38 weitere Gefangene. Außerdem sagte er, Venezuela solle den Weg zum Frieden, zur Verständigung und zur Respektierung der Unterschiede beschreiten. Dazu gehörten die Überprüfung und Berichtigung von Plänen und Programmen, außerdem sei ein neuer „revolutionärer und moralischer Impuls“ nötig. Anfang Dezember hatte Chávez ein Referendum verloren, mit dem er eine Verfassungsreform durchsetzen wollte.

          Weitere Themen

          Union uneins über Corona-Bonds

          Schulden in Europa : Union uneins über Corona-Bonds

          In der Union wird debattiert, wie mit den im Zuge der Corona-Krise verursachten Schulden innerhalb der Länder der Europäischen Union umzugehen ist. Corona-Bonds sind ebenso im Gespräch wie ein sogenannter „Dreiklang der Solidarität“. Was steckt dahinter?

          Keir Starmer neuer Labour-Chef Video-Seite öffnen

          Großbritannien : Keir Starmer neuer Labour-Chef

          Keir Starmer ist zum neuen Chef der britischen Labour-Partei gewählt worden. Der bisherige Brexit-Sprecher der Partei tritt die Nachfolge des glücklosen Jeremy Corbyn an. Seine Wahl ist ein Signal für eine Neuausrichtung von Labour.

          Topmeldungen

          Logo der Christdemokraten

          Schulden in Europa : Union uneins über Corona-Bonds

          In der Union wird debattiert, wie mit den im Zuge der Corona-Krise verursachten Schulden innerhalb der Länder der Europäischen Union umzugehen ist. Corona-Bonds sind ebenso im Gespräch wie ein sogenannter „Dreiklang der Solidarität“. Was steckt dahinter?

          Corona-Krise : Der Fluch der Zweitwohnsitze

          Raus aus dem Corona-Wahnsinn: Rund um den Globus geraten Menschen in die Kritik, die in ihre Zweitwohnungen flüchten. Vielerorts fahndet jetzt sogar die Polizei nach den unerwünschten Besuchern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.