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Kolumbien : Der Geiselbefreier

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Der neue kolumbianische Präsident Manuel Santos war unter seinem Vorgänger Uribe Verteidigungsminister. Damals organisierte er die Befreiung der von der Guerrilla-Organisation „Farc“ entführten Französin Ingrid Bétancourt. Manchen Kritikern gilt er noch heute als Uribes Marionette.

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          Juan Manuel Santos hat bereits vielen Regierungen in wechselnden Funktionen gedient, doch hatte er sich bislang nie einer Abstimmung stellen müssen. Nun ist er gleich auch noch mit einem fulminanten Ergebnis zum Präsidenten Kolumbiens gewählt worden. Unter César Gaviria (1990 bis 1994) hat er im Außenhandel Märkte geöffnet. Unter Andrés Pastrana (1998 bis 2002) gelang es ihm als Finanzminister, die Rezession zu überwinden und wieder für Wachstum zu sorgen.

          Sein Meisterstück vollbrachte Santos jedoch unter seinem Amtsvorgänger Álvaro Uribe als Verteidigungsminister. Er gilt als Organisator der militärischen „Operation Schach“, mit der die von der Guerrilla-Organisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) entführte frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Bétancourt und andere Geiseln befreit wurden. Weit heikler war der zweite große militärische Coup, bei dem der Farc-Anführer Raúl Reyes getötet wurde. Bei dem Angriff auf das Farc-Camp auf ecuadorianischem Territorium ist die Souveränität des Nachbarlandes eindeutig verletzt worden. Die seitdem zerrütteten diplomatischen Beziehungen zu Quito wiederherzustellen dürfte eine der vorrangigen Aufgaben in der ersten Zeit von Santos' Präsidentschaft sein.

          Santos entstammt einer der einflussreichsten Familien Bogotás

          Der Skandal in den Streitkräften um die „Falsos positivos“, junge Männer, die entführt, erschossen und als getötete Guerrilleros ausgegeben wurden, erreichte unter Santos als Verteidigungsminister ihren Höhepunkt. Andererseits hat er als erster Minister in diesem Amt Untersuchungen angeordnet, um gegen die seit Jahren übliche Praxis, der mutmaßlich mehr als 2000 junge Landsleute zum Opfer gefallen sind, vorzugehen. Juan Manuel Santos Calderón wurde in Bogotá am 10. August 1951 geboren. Er entstammt einer der einflussreichsten Familien der städtischen Elite in der kolumbianischen Hauptstadt.

          Seine erste Wahl hat er mit fulminantem Ergebnis bestanden: Juan Manuel Santos

          Sein Großonkel Eduardo Santos war zwischen 1938 und 1942 Präsident des Landes, sein Vater ein halbes Jahrhundert lang Herausgeber der einflussreichen Zeitung „El Tiempo“, sein Vetter Francisco ist Vizepräsident der scheidenden Regierung Uribe. Santos studierte Wirtschaftswissenschaften, zeitweise auch Jura und Journalismus in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten. Seine politische Laufbahn begann er in der Liberalen Partei, 2005 gründete er die „U-Partei“ (Partei der Nationalen Einheit), die zum Sammelbecken der „Uribistas“ wurde.

          Manchen gilt er als Marionette Uribes

          Santos ist verheiratet und hat drei Kinder. Er gilt als Uribes Kronprinz, nach Meinung mancher Kritiker als dessen Marionette. Das heißt jedoch nicht, dass er dessen Wunschnachfolger wäre. Ihm gehen jene Ausstrahlung und das hitzige Temperament ab, die Uribes Regierungsstil prägten. Er ließ jedoch nie einen Zweifel daran, dass er Uribes Politik der „demokratischen Sicherheit“ fortsetzen würde und ließ sogar durchblicken, dass er jederzeit wieder ein Aufständischen-Lager in einem Nachbarland angreifen lassen würde, wenn sich dies als notwendig erweisen würde. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat ihn nicht nur deswegen als Kriegstreiber bezeichnet. Santos ließ sich davon nicht beeindrucken und schlug versöhnliche Töne an. Er konnte in gewisser Weise Chávez sogar für die Angriffe dankbar sein. Denn jedes Mal, wenn der ihn attackierte, stiegen im Wahlkampf seine Umfragewerte.

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