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Kokainschmuggel : Neue Rauschgiftfront in Afrika

Der Seeweg zwischen Kolumbien und Europa wird inzwischen erfolgreich kontrolliert Bild: dpa

Die Zeiten, da der ungehinderte Schmuggel südamerikanischen Kokains nach Europa auf direktem Weg möglich war, sind vorbei. Gelockt vom starken Euro haben die Drogenhändler nun den Umweg über Afrika entdeckt. Von Daniel Deckers.

          7 Min.

          Am Abend des 1. Mai empfängt der Tower des Flughafens der mauretanischen Hafenstadt Nouadhibou einen Funkspruch. Die Besatzung einer zweimotorigen Cessna bittet wegen technischer Probleme um Landeerlaubnis. Um 21.23 Uhr kommt die Maschine auf einem entlegenen Teil des Flughafens zum Stillstand. Als die Flughafenfeuerwehr eintrifft, lassen die Piloten in Panik die Motoren an und fliegen davon. Am Boden bleiben 21 Pakete mit insgesamt 600 Kilogramm Kokain zurück.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Das Vorkommnis gibt den Behörden Rätsel auf. Wurde das Kokain aus dem Flugzeug ausgeladen, oder sollte es, aus dem Hafen kommend, auf dem Luftweg weitertransportiert werden? Nur eines ist gewiss. Obwohl das Flugzeug mit Zusatztanks ausgerüstet war, geht die Cessna mit der fiktiven Kennung N983 SERA etwa hundertfünfzig Kilometer von Nouadhibou entfernt in der Wüste nieder.

          Weniger als 36 Stunden später werden ein Mauretanier sowie ein Marokkaner unter dem Vorwurf verhaftet, an dem Kokainschmuggel beteiligt zu sein. Ein dritter Tatverdächtiger, so berichtet es die mauretanische Nachrichtenagentur „Al Akhbar“, sei flüchtig: Es handele sich um einen Sohn eines ehemaligen mauretanischen Staatspräsidenten.

          Bild: F.A.Z.

          „Afrika ist die neue Rauschgiftfront“

          Das bizarre Vorkommnis könnte als Teil eines neuen James-Bond-Drehbuchs durchgehen, doch illustriert es eine dramatische Entwicklung, die der italienische Diplomat Antonio Maria Costa mit den Worten bezeichnet, Westafrika sei „unter Feuer“. Costa ist Direktor des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien. Doch muss er nicht drastische Worte wählen, um die Geberstaaten, vor allem die europäischen, für seine Arbeit zu gewinnen? Und zeichnet der jüngste „World Drug Report“ nicht ein vergleichsweise undramatisches Bild des Kokainschmuggels in Afrika? Im Jahr 2005 entfielen von den Kokain-Sicherstellungen in der ganzen Welt auf Afrika gerade einmal ein Prozent.

          Im Generalsekretariat von Interpol kennt man diese Zahl auch. Doch die Wortwahl des Kriminalisten Steve Brown ist nicht weniger drastisch. „Afrika ist die neue Rauschgiftfront“, sagt Brown. Auf dem Tisch liegt ein „Interpol Cocaine Alert“, eine Warnung, die am 2. Februar allen Verbindungsbüros zur Verfügung gestellt wurde. Von Kokain-Sicherstellungen am Flughafen der marokkanischen Hafenstadt Casablanca ist darin die Rede und von einer steigenden Zahl von Afrikanern aus Conakry und Bamako, den Hauptstädten Guineas und Malis, die mit „Royal Air Maroc“ vorzugsweise nach Spanien fliegen wollten - alle mit fünfzig bis hundert Päckchen Kokain im Darm.

          Nahezu alle Kuriere seien männlich, einige besäßen die malische Staatsbürgerschaft und eine spanische Aufenthaltserlaubnis. Die meisten indes seien Nigerianer - wie an jenem 10. Dezember 2006, als die niederländischen Sicherheitskräfte am Flughafen Schiphol unter den Passagieren eines Fluges von Casablanca 32 Kokainschmuggler entdeckten, darunter 28 Nigerianer.

          Nigerianische „communities“ als Drehscheiben

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